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Hier kommt mal wieder ein gemeinsamer Beitrag der Blogautor*innen zur Frage Selbstvertrauen: Woher kommt es? Wie kriegt man es?

Uhu: Ich würde sagen, älter werden hilft! Mir wird egaler, was Leute von mir denken. (Noch) nicht unbedingt in privaten Beziehungen, aber Fremden gegenüber. Das ist gut so, es macht das Leben weniger anstrengend.

Dickdarmlos: Für mich hat Selbstvertrauen viel mit dem Sammeln von Erfahrungen zu tun. Wo habe ich selbst erlebt, dass ich etwas bewirken oder erreichen kann? Für mich gab es da einen sehr prägenden Punkt, der zugleich ziemlich banal ist: Ich habe in der Schule nie viel gesagt und sehr viele schlechte Erfahrungen mit Lehrern gemacht. In der 11. Klasse mussten wir eine Buchpräsentation halten und keiner wollte seine Präsentation halten. Also wurde durch Zufall bestimmt, wer muss – sonst 6. Ich musste dann vollkommen unvorbereitet meine Präsentation halte und diese war 1. Die Lehrerin war total begeistert und stellte viele Fragen. Etwa eine Stunde dauerte das Referat inkl. aller Fragen – viel länger als es sein musste. Ich bekam viel positive Rückmeldung von der Klasse und der Lehrerin. Zuvor hatte ich sowas noch nie erlebt und noch nie eine gute mündliche Leistung gehabt. Für mich ist das ein Schlüsselpunkt, da ich erlebte, dass ich etwas kann. Seitdem halte ich gerne Referate und habe relativ wenig Probleme vor Menschen zu sprechen (auch, wenn mein Körper deutliche Stressreaktionen zeigt).

Das Alter hat für mich recht wenig damit zu tun. Klar… je älter desto mehr Erfahrungen hat man gemacht. Aber Erfahrungen können sich sowohl positiv als auch negativ auf das Leben und das Selbstvertrauen auswirken. Kurz gesagt: Selbstvertrauen basiert meiner Meinung nach auf Selbstwirksamkeitserfahrungen.

Mutsammlerin: Ich sehe das auch so wie Dickdarmlos, dass Selbstvertrauen sich durch die Erfahrungen, die wir machen, entwickelt. Deshalb kann ich mir gut vorstellen und hoffe vor allem sehr, dass man im Laufe der Jahre immer wieder positive Erfahrungen sammelt, die das Selbstvertrauen stärken. Vielleicht kann man dann auch besser mit negativen Erfahrungen umgehen bzw. sie nicht mehr direkt auf die eigene Person und den eigenen Wert beziehen.

Ich bin mir mit den genauen Zahlen nicht mehr ganz sicher, aber meine Therapeutin hat mir mal gesagt, dass man in etwa drei positive Erfahrungen braucht, um eine negative wieder auszugleichen. Bei Angsterkrankungen braucht man ungefähr neun positive, um eine negative auszugleichen. Also eine ganze Menge.

Gedankentänzer: Ich unterschreibe absolut, was bisher gesagt wurde. Für mich hat Selbstvertrauen viel mit Selbstbewusstsein und einem guten Kontakt zu sich selber zu tun. Dann sind vermeintliche Schwächen auch kein Thema, denn sie gehören zu mir dazu. Selbstvertrauen ist für mich nicht, keine Fehler zu machen, sondern authentisch und ehrlich zu sein. Und die Erfahrung zu machen, dass es sowohl für andere, als auch für mich ok ist. Irgendwie hängt das für mich auch mit dem Urvertrauen zusammen: Habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich geliebt werde, dass ich in Ordnung bin?

Buchstabenspielerin: Wie schon gesagt: Beim Älter werden, werden Meinungen Fremder egaler. Warum? Ich denke, man kennt mehr Meinungen und Gründe warum Leute Dinge sagen und sich selbst besser. So kann man Meinungen besser einsortieren. Neben dem was ihr gesagt habt (Selbstwirksamkeit erfahren und Urvertrauen in sich haben) finde ich die Unterscheidung Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wichtig. (Auch wenn es Hand in Hand geht.)

Selbstbewusstsein heißt, auf der einen Seite sich selbst zu kennen und zu wissen, was man kann, auf der anderen Seite dies umzusetzen und sich zu behaupten. Im Ergebnis: Bspw. Referate halten, alleine verreisen, Menschen ansprechen.

Das Selbstwertgefühl hat mit der Selbstwahrnehmung des eigenen Wertes zu tun. Also auch, wie man Aussagen anderer bewertet und wieweit man sie in sein Selbstbild mit einbezieht. Bin ich ein wertvoller guter Mensch?

Erst mit Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein habe ich ein starkes Selbstvertrauen. Hab ich für mich rausgefunden. Dann vertraue ich meinen Entscheidungen und meinem Wert auf dieser Welt und meinem Können an sich.  Also für mich heißt Selbstvertrauen an sich selbst glauben, also an den Nutzen meines Wirkens zu glauben.

Wheely Girl: Selbstvertrauen ist für mich auch älter werden und Erfahrungen sammeln. Durch meine ganzen Projekte habe ich mich selber kennen gelernt und durch meine ganzen neuen Kontakte und Freundschaften habe ich auch ganz viel Selbstvertrauen dazu gewonnen. Dieses Jahr war mein Selbstvertrauensjahr mit den Herausforderungen auf der Bühne zu stehen. Das ganze Leben ist dazu da, Selbstvertrauen zu sammeln. Jeden Tag bekommt man neues Selbstvertrauen.

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Autor*in: Alle zusammen

Wir sind die Blogautor*innen von Lebensmutig. Wir schreiben über unsere Erfahrungen mit Selbsthilfe, über unsere Erkrankungen und Themen und über die Herausforderungen, die wir bewältigen. Manchmal diskutieren wir untereinander über Themen, die uns gerade auf den Nägeln brennen. Dann dokumentieren wir das unter diesem Profil in einem besonderen Beitrag.

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