Was bisher geschah: Mein Hirntumor lässt mir keine Ruhe. Letztes Jahr stand nach einem Routine-MRT fest: ich muss ein weiteres Mal operiert werden. Und so lag ich also wieder einmal im Krankenhaus.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass nach der Aufnahme im Krankenhaus alles schnell gehen würde: Aufklärungsgespräch und ab unters Messer. Aber ich musste erst noch einmal einen Tag herumgammeln auf der Station. Ich bin essen gegangen, hab viel rumüberlegt, die Schwestern ein bisschen beschäftigt (hiermit entschuldige ich mich ganz offiziell bei ihnen).
Ach ja, zur Narkoseärztin musste ich noch, das war auch ein bisschen komisch. Sie hat viele Fragen gestellt, mich aber überhaupt nicht mehr so richtig untersucht. Ich habe sie gefragt: „Wollen Sie nicht mal die Lunge abhören“, sie nur: „Ach nein, das sieht man doch, Sie sind gesund“. Ich hab dann drauf bestanden, das hat sie dann ziemlich unwillig gemacht, dann bin ich wieder abgedackelt. Eine halbe Stunde war ich bei ihr.

Am späten Nachmittag kam das Aufklärungsgespräch beim OP-Arzt, da sollte ich zig Seiten durchlesen. Meine Eltern waren da auch mit dabei. Zu dem Zeitpunkt konnten sie nicht sagen, ob das, was sie auf dem MRT gesehen haben, bloß Narbengewebe ist oder Tumorgewebe. Den Arzt hab ich da zum ersten Mal gesehen. Aber ich kenne Ihn schon länger durch die regelmäßigen Nachsorgetermine (aller halben Jahre).  Er hat mir gesagt, er wollte mich eigentlich nicht hier sehen, ich müsste nicht unbedingt das neue OP-Zentrum einweihen, aber er sei zuversichtlich, dass alles gut geht. Er zeigte mir und meinen Eltern die gemachten MRT Bilder vom Vortag und erklärte mir alles. Ich hab ihm gesagt, dass ich mir den ganzen Kram nicht durchlesen will und hab gleich hinten unterschrieben, denn was soll ich sonst machen.

Am Abend gab es noch eine Taize-Andacht in der Klinik Kirche, das habe ich mir nicht entgehen lassen, da bin ich jahrelang immer hingefahren. In der Zeit der Stille wurde mir dann so richtig bewusst, dass ich morgen in eine Riesen-OP muss. Da hatte ich dann so einen absoluten Tiefpunkt, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht, wenn es wirklich was Böses ist. In der Nacht habe ich dann aber doch ziemlich gut geschlafen.

Das nächste Mal erzähle ich euch von dem großen Tag und der viele Stunden dauernden OP.

Dresdener

Autor*in: Dresdener

Ich bin Stephan, 39 Jahre alt und komme aus Dresden. 2005 und 2008 bin ich an einen bösartigen Hirntumor erkrankt. Jetzt bin ich erwerbsunfähig und bekomme Rente. Ich habe eine Selbsthilfegruppe für Hirntumorpatienten und Angehörige gegründet und bin auf verschiedene Weise ehrenamtlich aktiv.

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