Wann habe ich eigentlich verlernt, Spaß zu haben? Spaß … was ist das überhaupt? Früher war das deutlich einfacher, es zu wissen. Substanz rein und schon war der Spaß da. Auf Knopfdruck. Nicht viel dafür machen müssen. 

Kann es sein, dass Spaß etwas ist, dass man sich erst erarbeiten muss? Irgendwie ist aber auch so, dass das meiner Definition von Spaß widerspricht, oder ist es überhaupt meine Definition? Habe ich diese vielleicht irgendwo aufgesaugt, ohne es richtig gemerkt zu haben? Ist es etwas, das von anderen über mich gestülpt worden ist?

Aber nun zum Punkt. Wie hat man jetzt Spaß? Eine Reise in die Kindheit könnte vielleicht Abhilfe schaffen. Wie hatte ich als Kind Spaß? Habe ich mir die Frage überhaupt gestellt, oder hatte ich einfach Spaß, er war da? 

Das könnte die Lösung des ganzen sein. Ich zerdenke einfach zu viel. Zu viele Gedanken, die mir im Weg stehen und alles vernebeln. Versuchen sich ihren Platz einzunehmen. 

Alles optimieren wollen und dabei das Gefühl technisch werden lassen. Zu einem bloßen Abstraktum. Letzten Endes als etwas, das konsumiert werden will. Das vielleicht in den Alltag gebettet werden muss, anstatt einfach da zu sein.

Ist das die Lösung? Weniger Denken, mehr im Moment sein? Nicht alles optimieren. Einfach Mal den Spaß selbst fragen:

“Hey Spaß, lange nicht gesehen! Wie kann man dich eigentlich haben?”


“Mich kann man nicht haben. Nicht besitzen. sobald du versuchst meiner habhaft zu werden, entschwinde ich. Das ist eine meiner Eigenschaften.

Aber was ich dir auf jeden Fall sagen kann, ist dass ich nie weg war. Ich bin da, schon immer.”

 

“Doch wie kann es sein, dass ich dich nicht sehe, nicht fühle?” 


“Du hast den Blick verloren. Den Fokus auf deiner Jagt. Höre auf mich zu verfolgen. Ich bin immer da. Bei vielen Dingen, die du machst. Die du gerne und auch nicht so gerne tust. Stell dir doch die Frage, warum du so vieles immer noch tust, auch wenn es schwierig ist. Da wirst du feststellen, dass ich es bin, der dich bei so vielem begleitet.

Hmm wirklich schlauer bin ich jetzt auch nicht geworden durch mein Gespräch mit dem Spaß. So richtig weitergeholfen hat er mir jetzt auch wieder nicht. 

Irgendwie habe ich es meinen Gedanken gleich getan. Mich im Kreis gedreht, so dass ich wieder ganz am Anfang meines Spaziergangs stehe.

Wie hat man nun jetzt Spaß? Keine Ahnung… Was ich jedoch mit Sicherheit beantworten kann, ist, dass ich nun nicht alleine am Anfang meiner Gedankenreise stehe. Neben mir sitzt ein blinder Passagier. Einer den man vielleicht Spaß nennen könnte.

Und vielleicht reicht das.

Fürs Erste.

Für mich.

Für heute.

——————–

Der Text ist im Rahmen eines Workshops im Dezember 2024 mithilfe der Methode Freewriting entstanden. Das einzige, was zum Zeitpunkt des Verfassens gefehlt hatte, waren einige wenige Schlussätze. Abgesehen von diesen, ist der Text unverändert. Nach nun einem halben Jahr in der Schublade, bin ich froh, zufällig wieder über den Text gestolpert zu sein. Und richtig stolz bin ich darauf, den Text für mich beendet und nicht wieder in die Schublade gepackt zu haben. Wörtlich und metaphorisch.

Der Spaß war wohl wirklich näher als gedacht. Zwischen den ganzen Papieren voller gebannten Gedanken. Leise in der Schublade.

Die ganze Zeit da,
während ich woanders war

Autor*in: Bossi

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile bin ich seit über 7 Jahren Teil des Blogs, ein gutes viertel meines Lebens.

Während dieser Zeit haben sich die Inhalte meiner Beiträge stark verändert. Angefangen bei Methoden, fortgesetzt bei meinem persönlichen Umgang mit der Sucht und der Abstinenz und gegen Ende auch auf meine Behinderung (ICP) eingehend.
Auch meine Rolle innerhalb des Blogs war nicht immer dieselbe. Vom stillen Beobachter, zum ehrenamtlichen Helfer bis hin zum Mitarbeiter. Auch mein beruflicher und akademischer Werdegang hat sich über die letzten Jahre geändert. Studium beendet, und weil das nicht reicht, ein weiteres hinzugenommen. Beruflich fest angekommen.

Was für eine Reise.

Ich bin froh, Teil des Blogs gewesen zu sein. Denn bei allen Änderungen ist eines geblieben. Die Liebe zum Schreiben, das ehrenamtliche Engagement in der Selbsthilfe und das Interesse an Themen, die mit chronischen Erkrankungen, ob physisch oder psychisch, assoziiert sind.

Auch wenn ich Blue durch meine Selbsthilfegruppe zum Blog gebracht und nicht über den Blog kennengelernt habe, haben die vielen Treffen und Konferenzen dazu beigetragen, dass wir gemeinsam das Projekt "Klarkommen Podcast"entwickelt haben, und seit guten 3 Jahren konsequent am Ball bleiben.

Falls euch unsere Blogbeiträge gefallen haben, ist unser gemeinsamer Podcast eine gute Möglichkeit, mehr von uns zu hören.

in Zusammenarbeit mit:

Logo Schon mal an Selbsthilfegruppen gedacht?