Was war der Blog eigentlich für mich? Eine Frage, die sich für mich nicht so einfach beantworten lässt. Weil es nicht die eine Antwort darauf gibt. 

Wenn ich das in einem Bild ausdrücken würde, wäre die Antwort darauf: Ein Metronom. Ich liebe es, wenn das Bild auch gleichzeitig ein Geräusch mitliefert. Dann brauche ich es nicht zu machen. 

Aber warum eigentlich ein Metronom? 

Naja, die Antwort ist recht einfach. Ein Metronom gibt einem einen Takt. Unglaublich praktisch, wenn man gerade anfängt zu musizieren. Noch praktischer, wenn man seinen eigenen Rhythmus noch nicht gefunden hat und sich etwas verloren fühlt.

In Momenten, in denen das Studium mich zu erdrücken begann oder die Arbeit mich Stück für Stück ausbrennen ließ. Immer dann, als ich anfing, aus dem Takt zu kommen und über meine eigenen Füße zu stolpern drohte … Genau in diesen Momenten war der Blog mein Metronom. Mein Taktgeber, der meine Wochen und Monate strukturierte. Der mich zurückfinden ließ. Der mich wieder auf (Ton)Spur brachte.
Durch regelmäßige Videokonferenzen, Schreib-Gespräche, Schreib-Cafes, Monatsthemen und Treffen in Person hatte ich eine Art zusätzlichen Rückzugsort, an dem ich nicht nur über mich und mein Befinden schreiben, sondern an dem ich auch mit anderen in den Austausch gehen konnte.
An Tagen, an denen es mir schwer gefallen ist, aus dem Bett zu kommen, an denen das Gewicht der Decke bereits ausgereicht hat, um mir jegliche Kraft und Motivation zu nehmen, war der regelmäßige Takt ein Grund, doch aufzustehen, mich zu überwinden und mich in die Videokonferenz einzuklinken. Auch im Hinblick auf den inneren Schweinehund war der Blog, mein Metronom, eine unglaubliche Hilfe.
Manchmal ist es nämlich nicht nur das Gewicht der Decke, das mich daran gehindert hat, aufzustehen. Es war die Gemütlichkeit, die heiß geliebte und über alles gehasste Comfort-Zone, die das Aufstehen erschwert hat. Besonders in solchen Momenten, in denen ich es eigentlich wusste, dass das Aufstehen die richtige Entscheidung ist, war der äußere Taktgeber, das Ticken unglaublich wichtig, um mich daran zu erinnern, es nicht nur zu wissen, sondern auch zu tun. 

Jetzt, wo der Blog bald in den Archiv-Modus geht, kommt der Zeitpunkt, an dem auf den immer leiser werdenden Tick … kein Tack mehr folgt. Kein vertrautes Gefühl mehr von einem Rhythmus, der mich über ein Drittel meines Lebens begleitet hat. Oder …? 

Vielleicht …

Vielleicht aber auch nicht… 

Musikschüler lernen irgendwann, die Zwischentakte ohne Metronom zu halten und zu treffen. Ein Schüler, der fortwährend lernt, zählt innerlich weiter, bis er nicht mehr zählen muss, bis er den Rhythmus im Blut hat, bis er, selbst wenn das Ticken von außen verstummt, noch im Takt bleibt.

Auch wenn der Blog, als mein Taktgeber bald verstummen mag, hat er mir doch einiges beigebracht. Ich hatte viele Möglichkeiten, Fehler machen zu dürfen und daraus zu lernen, so dass ich meinen eigenen Rhythmus und meinen eigenen Stil finden konnte.

Dafür bin ich diesem Projekt und den vielen Menschen, die sich hinter dem Blog über die vielen Jahre hinweg versammelt haben, sehr dankbar. 

Auch wenn ein Abschied nicht immer leicht fällt, heißt es noch lange nicht, dass auf den letzten Tick kein Tack kommt…

Das Tack kommt, nur wird der Ort, an dem es zu hören sein wird, nicht dieser Blog sein.

Autor*in: Bossi

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile bin ich seit über 7 Jahren Teil des Blogs, ein gutes viertel meines Lebens.

Während dieser Zeit haben sich die Inhalte meiner Beiträge stark verändert. Angefangen bei Methoden, fortgesetzt bei meinem persönlichen Umgang mit der Sucht und der Abstinenz und gegen Ende auch auf meine Behinderung (ICP) eingehend.
Auch meine Rolle innerhalb des Blogs war nicht immer dieselbe. Vom stillen Beobachter, zum ehrenamtlichen Helfer bis hin zum Mitarbeiter. Auch mein beruflicher und akademischer Werdegang hat sich über die letzten Jahre geändert. Studium beendet, und weil das nicht reicht, ein weiteres hinzugenommen. Beruflich fest angekommen.

Was für eine Reise.

Ich bin froh, Teil des Blogs gewesen zu sein. Denn bei allen Änderungen ist eines geblieben. Die Liebe zum Schreiben, das ehrenamtliche Engagement in der Selbsthilfe und das Interesse an Themen, die mit chronischen Erkrankungen, ob physisch oder psychisch, assoziiert sind.

Auch wenn ich Blue durch meine Selbsthilfegruppe zum Blog gebracht und nicht über den Blog kennengelernt habe, haben die vielen Treffen und Konferenzen dazu beigetragen, dass wir gemeinsam das Projekt "Klarkommen Podcast"entwickelt haben, und seit guten 3 Jahren konsequent am Ball bleiben.

Falls euch unsere Blogbeiträge gefallen haben, ist unser gemeinsamer Podcast eine gute Möglichkeit, mehr von uns zu hören.

in Zusammenarbeit mit:

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