Was bisher geschah: Letzten Sommer musste ich im Dresdener Uniklinikum zum dritten Mal wegen meinem Hirntumor operiert werden. Bis es endlich soweit war, ging mir sehr viel durch den Kopf. Einerseits hatte ich Vertrauen zu den Ärzten, andererseits hatte ich natürlich Angst.

Am Morgen der OP, es war Donnerstag, ging es schon früh um sieben los. Ich bekam meinen OP-Kittel, ich musste ekliges fluoreszierendes Zeugs trinken – das ist jetzt Standard bei Hirn-OPs, damit die während des Eingriffs auch sehen, wo Tumorgewebe ist und wo nicht. Ich bekam irgend so einen komischen Lappen vors Gesicht, denn das Zeugs kann Ausschläge machen. Aber ich war so neugierig und hab immer unten durch gelunzt. Dann haben sie mich abgeholt und es ging auf die OP Etage. Eine Schwester, die ich gut kannte, hat mich runtergebracht und an der OP-Schleuse abgegeben. Dort hab ich dann wieder unter dem Tuch hervor gelunzt. Da standen massenweise OP-Tische herum, einer davon war meiner. „Lassen Sie das Tuch vor dem Gesicht“, wurde ich ermahnt. Zwei Pflegekräfte haben mich dann mitgenommen und ich kam in einen Narkoseraum. Von diesem Raum gingen mehre Räume weg. Aus jeder Ecke kamen Personen. Einer fragte, „ist das meine Fuß-OP?“ Ich sagte laut Nein. Alle haben gelacht. Auf einer Tür stand die Zahl 43. Die haben über 50 Operationssäle dort. Dann hat der Narkosearzt gesagt, „Wir sind startklar“. In diesem Moment war ich gleich weg. Geplant war, während der OP gleich noch ein MRT zu machen, um zu sehen, ob sie alles erwischt haben.

Die OP dauerte rund sechs Stunden – das hat man mir nachher gesagt. Aber ich war noch viel länger weg. Denn als ich wieder aufgewacht bin, war ich auf der ITS. Ein Pfleger hat mich begrüßt. Ich war happy, dass ich meine Hand und mein Bein noch gefühlt habe und ich etwas spüren konnte. Kurz darauf wurde ich abgeholt von einer Schwester. Ich habe mich gewundert, dass es so schnell ging. Denn normal bleibt man eine Nacht auf der Intensivstation. Ich fragte, „jetzt schon?“ Die Schwester hat dann gesagt, dass ich schon eine Nacht auf der Station war und heute schon Freitag ist.

Auf der Station der Neurochirugie kam ich einen Tag auf die Videoüberwachungstation. Kurz darauf kamen meine Eltern. Der Arzt kam auch noch und hat mir gesagt, dass ich während der OP und danach beim Ziehen des Tubus einen Krampfanfall hatte und sie mich deshalb länger in der Narkose gelassen haben – einen ganzen Tag! Erst am Freitag haben sie mich zurückgeholt. Meine Eltern sagten auch, dass ich gruselig ausgesehen habe auf der Intensivstation, weil ich so viele Zugänge im Arm hatte und sie mir über Kanülen viel Zeugs noch reingepumpt haben. Dass meine Eltern mich auf der Intensivstation besucht hatten, habe ich gar nicht mitbekommen.

Dann wurde überlegt, auf welche Station sie mich schicken sollen und dabei haben sie auch ein bisschen nach dem Alter geschaut und mich schließlich mit einem 18-Jährigen zusammengelegt. Von unserer Jugend-WG im Krankenhaus erzähle ich euch aber dann das nächste Mal.

Dresdener

Autor*in: Dresdener

Ich bin Stephan, 39 Jahre alt und komme aus Dresden. 2005 und 2008 bin ich an einen bösartigen Hirntumor erkrankt. Jetzt bin ich erwerbsunfähig und bekomme Rente. Ich habe eine Selbsthilfegruppe für Hirntumorpatienten und Angehörige gegründet und bin auf verschiedene Weise ehrenamtlich aktiv.

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