Dass Männer früher als Frauen sterben ist bekannt. Zum einen liegt es an der Lebensführung. Sie rauchen häufiger, ernähren sich ungesünder und neigen häufiger zu exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum. Abgesehen von dem Essen, finde ich mich in dieser Statistik wieder. Meine Lebensführung war vor meiner Abstinenzzeit nicht die gesündeste. Viele Schlaflose Nächte. Große Konsummengen. Alles in allem – Exzessiver Lebensstil. Doch darum soll es heute nicht gehen. Denn es gibt einen anderen Grund, so heißt es, warum Männer früher sterben. Sie gehen bei medizinischen Beschwerden seltener zum Arzt. Leider muss ich diesen Punkt was mich betrifft bestätigen. Wenn ich so in meinen Freundeskreis schaue, bin ich auch nicht der einzige, dem das so geht.
Im letzten Jahr haben sich bei mir diverse Verdauungsbeschwerden und Schmerzen bemerkbar gemacht. Diese als einen Anlass zu sehen, Mal den Arzt aufzusuchen, kam für mich nicht in Frage. Ist doch vollkommen normal, dass sowas Mal vorkommt. Besser wird es ja auch mit der Zeit. Löst sich von alleine. Warum sich dann noch den unnötigen Stress geben. Falls es sich nicht von alleine lösen sollte, Abführmittel  rein und fertig. Hätte der Arzt doch sicherlich auch nicht anders gemacht. Ein ganz typischer Gedankengang von mir.

Was mir jedoch zu denken gegeben hat und mich ins Grübeln brachte war dasselbe Handlungsmuster eines Freundes von mir. Dieser hat eine ähnlich, sagen wir wie es ist, dumme Einstellung zum Thema Arztbesuche. Obwohl er schon seit guten 10 Jahren Verdauungsbeschwerden hat und von Jahr zu Jahr immer häufiger, immer mehr Blut im Stuhl entdeckte, kam für ihn der Arztbesuch nicht in Frage. Kommt halt Mal vor. Wird ja auch wieder besser. Warum dann noch zum Arzt gehen? Alles Gedanken, die mir nicht unbekannt sind. Letzten Endes war es seine Partnerin, die ihn dazu bewogen hat, den Arzt aufzusuchen, weil sie die Mengen an Blut und die Intensität der Schmerzen als  besorgniserregend empfand und sich nicht einfach mit einem, ja das ist bei mir vollkommen normal, abspeisen ließ. Das Ergebnis des Besuches war die Diagnose Colitis Ulcerosa. Die scheinbar seit sehr vielen  Jahren vor sich hinwütet.

Kaum zu glauben und doch irgendwie vertraut, was meinen eigenen Umgang mit mir und meiner Gesundheit angeht. Ich wäre schon längst zum Arzt gegangen, dachte ich mir im ersten Augenblick. Spätestens wenn ich Blut im Stuhl entdeckt hätte! Wenn ich jedoch genauer darüber nachdenke, ist es nicht auszuschließen, dass es mir genau so ergangen wäre. Der Zustand wird doch periodisch besser, also warum dann den Arzt aufsuchen? Ich glaube, dass es letzten Endes darauf hinausgelaufen wäre, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. Typisch Mann. Typisch ich.
Diese Situation gab mir zu denken. Aber nicht nur. Sie gab mir den nötigen Antrieb, zu handeln. Einen eigenen Termin für eine Spiegelung zu vereinbaren. Bzw. vereinbaren zu lassen. Ganz unschuldig ist meine Partnerin an meiner Entscheidung nicht, Mal regelmäßiger den Arzt aufzusuchen. Wofür ich auch sehr dankbar bin.

Heute, einige Tage vor der eigenen Magen- und Darmspiegelung kann ich über mich selbst lachen, dass ich so gedacht habe und dennoch ist es irgendwie besorgniserregend zu wissen, dass ich nicht frei von diesem Verhaltensmuster bin und jederzeit Gefahr laufe, wieder hineinzurutschen. Ich muss mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass nichts schlimmes dabei ist, den Arzt bei Beschwerden aufzusuchen. Dass es keine Zeitverschwendung ist. Dass es wichtig ist, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Dass neben einer abstinenten und sportreichen Lebensführung zu einem gesunden Leben auch eine regemäßige ärztliche Kontrolle der eigenen Gesundheit gehört. Dass ich dankbar sein darf, dass ich nicht der einzige bin, dem meine eigene Gesundheit wichtig ist und dass jemand für mich da ist, der mir den Spiegel vorhält, wenn ich Gefahr laufe, wider in diese unnötig toxischen Verhaltensmuster hineinzurutschen.

Autor*in: Bossi

Ich möchte meine eigene Gruppe etwas anders angehen und die üblichen Runden einer Selbsthilfegruppe mit ein paar innovativen Methoden etwas beleben. Über eben diesen Einsatz von Methoden in der Selbsthilfe, meine Erfahrungen damit und meine persönliche Suchtgeschichte möchte ich im Blog berichten und mich darüber austauschen.

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