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Sonnenuntergang am Strand

Verreisen bedeutet loslassen, sich auf den Weg machen, bereit für Neues sein, und irgendwo ankommen. Verreisen ist Bewegung, Aufbruch, Perspektivwechsel und Neubeginn. Manchmal aber wird all das, was man sich vom Verreisen erträumt hat, auch in einer einzigen Sekunde zerstört. 

Meine Geschichte beginnt an einem Sehnsuchtsort und endet dort, wo eigentlich niemand so richtig freiwillig hinfährt. Ganz weit weg unter Palmen, an einem der berühmtesten Strände der Welt fing für mich eine Reise voller Schrecken und Schmerz an. Ganz in der Nähe, unter den Argusaugen von Ärzt*innen und Therapeut*innen dagegen startete für mich ein halbes Jahr später im Teutoburger Wald die Rückkehr in ein normales Leben.

Doch der Reihe nach. Im Sommer 2017 hatte ich mir den rechten Mittelfuß gebrochen. Nach OP und Orthese begann ich zwei Monate später wieder laufen zu lernen und war glücklich, bald darauf auch wieder arbeiten gehen zu können. Denn das Bundestreffen Junge Selbsthilfe in Nordwalde stand an und ich wollte unbedingt dabei sein. Unbedingt die tolle Atmosphäre erleben, unbedingt die vielen tollen jungen Leute wiedersehen, die mich ein Jahr zuvor in Heidelberg so begeistert hatten. Und in der Tat war dann alles auch so unglaublich berührend und spannend, wie ich es erwartet hatte. Doch ich merkte auch, dass ich nach meiner längeren Auszeit körperlich noch ziemlich k.o. war. Meine Waden waren während der erzwungenen Liegezeit zu schrumpeligen, hängenden Säckchen mutiert, von Muskeln keine Spur, ich hatte kaum Kraft, mich aus der Hocke selbst hochzuziehen. Mein Fuß schwoll abends immer noch stark an, der Knöchel schmerzte. Deshalb schmiedete ich Pläne für einen fünfwöchigen Urlaub, um mich weiter zu erholen und Kraft zu tanken. Hawaii sollte es sein, der Spirit von Aloha, Hang Loose und Stand Up Paddling war genau das, was ich jetzt brauchte.

Es fing so toll an. Alles war perfekt. Blauer Himmel, türkisblaues Wasser, entspannte Leute, traumhafte Sonnenuntergänge, Bis ich eine Woche nach unserer Ankunft beim Sprung von einer Mauer am Strand von Waikiki auf einem verborgenen Stein landete, taumelte, mich nicht halten konnte und umknickte. Sensibelchen unter euch jetzt bitte zwei Zeilen überspringen: Ich hörte es fürchterlich knacken und wusste sofort: mein Fuß war erneut gebrochen.

Die folgenden 24 Stunden hätte ich auch als Statistin in einigen US-Serien verbringen können. Zuerst „Baywatch“: zwei braungebrannte Schönlinge mit den typischen roten Badehöschen und den roten Rettungsdingern (wie heißen die bloß?) hoben mich hoch und brachten mich zu einem Rettungswagen, der auf mich einen recht ramponierten und nicht sehr seriösen Eindruck machte. Ich wurde festgeschnallt, mit einer gehörigen Portion Morphium ruhig gestellt und mit Tatütata in eine Klinik gefahren. Dort angekommen, wurde ich wie bei „ER“ mit viel Primborium, Herumgerenne und Befehlgebrülle in eine Ecke geschoben und die Vorhänge drumherum zugezogen.

Dann begann „Grey’s Anatomy“: dutzende hübsche junge Ärztinn*en unterschiedlichster Herkunft schwirrten um mich herum, besahen sich meinen Fuß und kamen nach vielen Tests und Konsultationen zu dem Ergebnis, dass ich operiert werden müsse. Das alles dauerte Stunden, in denen ich mal narkotisiert war, mal mit starken Schmerzen dalag und zu begreifen versuchte, was mit mir passierte. Man riet mir dann schließlich aber, nach Abklingen der Schwellung nach Hause zu fliegen, um dort die notwendige Behandlung fortzusetzen. Also blieb ich noch sieben Tage auf Oahu, erlebte Silvester im Rollstuhl und mit vielen Schmerzen und begab mich schließlich auf einen Höllentrip nach Deutschland – von dem ich euch allerdings erst in meinem nächsten Beitrag berichten werde.

Bis dahin, Aloha!

RE-HAse

Autor*in: RE-HAse

... hatte 2017 Jahr ganz schön Pech und sich gleich zwei Mal den Fuß ziemlich heftig gebrochen. Was folgte, waren viele Schmerzen, viel Ungeduld und die Erkenntnis, dass es nie wieder so wie früher sein wird.

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