Durchgang auf einem Gipfel, im Hintergrund blitzt die Sonne zwischen den Wolken hervor

Inzwischen ist viel bei mir passiert.

Ich habe mich, wie diejenigen, die meine anderen Beiträge lasen, wissen, für eine Medikation entschieden und meiner Vorgesetzten meine Erkrankung anvertraut. Inzwischen bin ich im Umgang mit meiner Depression und den resultierenden Schwierigkeiten noch deutlich offener geworden und konnte diese Offenheit auch halten.
Darauf bin ich stolz. Ich beginne langsam, den Menschen wieder mehr zu vertrauen.

Nach der Corona-Zeit (Kurzarbeit Null) bin ich wieder voll ins Arbeitsleben zurückgekehrt. – Ein Start von 0 auf 100%, das war ganz schön heftig und wahnsinnig anstrengend.
Anfangs hatte ich besonders stark zu kämpfen, habe mich quasi von Tag zu Tag durchgerungen und irgendwie den Kopf „über Wasser gehalten“. – Mit schwerer Depression ist es trotz Medikation kein Leichtes Vollzeit zu arbeiten und dabei auch noch belastbar und flexibel zu sein.

Nachdem ich mich wieder halbwegs eingelebt hatte, war es phasenweise mal leichter, mal schwerer. Gott sei Dank hatte ich noch keine so voll geplanten Arbeitstage wie vor Corona.
Doch nun wurden die Tage langsam wieder immer voller, die Anstrengung wuchs, zusätzlich kamen neue, anspruchsvolle und aufregende Herausforderungen dazu.
Dann hatte ich plötzlich einen so eng getakteten Arbeitstag wie vor Corona. Ich war gespannt, wie ich diese Herausforderung meistern würde und wie es mir wohl damit gehen wird.

Den halben Tag habe ich gut geschafft, um dann leider mittags weinend und völlig erschöpft zusammenzubrechen. Ich musste den Arbeitstag vorzeitig abbrechen, wurde nach Hause geschickt und verbrachte den Folgetag völlig ausgelaugt zuhause im Krankenstand.
Dort wo meine Augen sonst strahlten, klafften dunkle, kraftlose „Löcher“ mit tiefen Augenringen, meine Gesichtsfarbe blass – ich sah erschreckend aus.

Wie durch ein Wunder mobilisierte ich für die kommenden Arbeitstage aus einem tief sitzenden Pflichtbewusstsein heraus nocheinmal Kräfte, bis – innerlich völlig zittrig und insgeheim ständig dem Weinen nahe – die innere Einsicht kam, dass ich wohl eine kleine Auszeit brauche. Ich musste meine Grenzen deutlich (an)erkennen.

Nun sitze ich zuhause, habe mir ein paar Tage Krankenstand gegönnt, um wieder Energie zu tanken, mich zu erholen und hoffentlich wieder stabiler zu werden, und schon schaffe ich es zumindest wieder für den Blog einen Beitrag zu schreiben. Manche denken sich vielleicht „Was, nur ein paar Tage!?“, aber für mich ist das ein großer und nicht einfacher Schritt.

Es fühlt sich gut und richtig an und gleichzeitig schleichen sich auch immer wieder unliebsame  Gedanken ein: „Du hast versagt! Du bist zu schwach! Du bringst es nicht! Du bist nicht genug! Wo führt das hin mit dir? Was, nur deswegen bleibst du zuhause? Vielleicht könntest du ja noch …“
Eine Versagensangst kriecht in mir hoch, Angst es zu nichts zu bringen auf die Dauer, Angst abgelehnt zu werden, zur Last zu fallen, nicht gut genug zu sein, Angst zu wenig Leistung zu bringen.

Ich versuche diese Gedanken in positive Bahnen zu lenken, aber es ist nicht leicht. Denn ein Teil meines Inneren ist sehr überzeugt von diesen vernichtenden Sätzen. Aber es gibt auch schon die guten Stimmen in mir.
Und inzwischen gibt es auch ein paar gute Stimmen in meinem Umfeld, die mich unterstützen, bestärken und mir gut zureden. Das ist sehr schön!
Ein großes Danke möchte ich hierbei auch an die Leute dieses Blogs richten, mit denen ich mich in regelmäßigen Videokonferenzen treffe. Wir sind zu einer wunderbaren und offenen Gruppe zusammengewachsen und ich bin sehr dankbar für jedes Individuum, das unsere SHG bereichert.

HighHopesInBlueSkys

Autor*in: HighHopesInBlueSkys

Einen blauen Himmel voller Hoffnung – das ist das, was ich mir wünsche. Tatsächlich ist mein Himmel schon lange ziemlich wolkenbehangen. Depression, Ängste und Sorgen verschleiern teils das lebensfrohe Blau. Doch in meinem Herzen bin ich eine Kämpferin. Ich glaube fest daran, dass hinter jedem großen Leid auch eine Chance steckt: eine Chance sich besser kennenzulernen, besser für sich sorgen zu lernen, die Qualitäten des Lebens neu schätzen zu lernen, Achtsamkeit zu üben, manches loszulassen und Neues für sich zu gewinnen. Diesen Weg will ich voller Mut und Hoffnung gehen, auf zu einem blaueren und sonnigeren Himmel, auch wenn es oft schwer fällt. Und das ist es auch, was ich von Herzen all jenen wünsche, denen es ähnlich geht: den eigenen, ganz individuellen und wertvollen Weg zu einem blaueren Himmel zu finden.

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