Seit über vier Monaten lebt nun mein Hund Matt bei mir. Die Anschaffung eines Hundes trotz chronischer Erkrankung, bei welcher Klinikaufenthalte und häufige Arztbesuche nicht ausbleiben, will besonders gut überlegt sein. Noch immer komme ich immer wieder ins Wanken, ob diese Entscheidung richtig war, doch ein Leben ohne Matt kann ich mir nicht mehr vorstellen.
Er begleitet mich zum Hausarzt, da er aufgrund meiner Ängste mir die Mitnahme erlaubt. Er hilft mir mich nicht in meinen vier Wänden zu verschanzen, zeigt mir meine Leidenschaft zur Natur wieder, verhilft mir zu sozialen Kontakten. Wenn er mir schlecht geht, weicht er mir nicht von der Seite und schraubt seine Bedürfnisse zurück – wenn man das so nennen kann.
Bereits im Dezember hing ich einige Tage in den Seilen, brauchte Infusionen und kam nahezu gar nicht aus dem Bett. Ich musste zu meiner Mutter, da ich mich selbst nicht versorgen konnte. Matt lag Tag und nach bei oder auf mir. Nur 3x täglich, in teils großen Abständen, schaffte ich es mit ihm kurz vor die Türe. Erst als es mir wieder besser ging, wurde er wieder aktiver und half mir somit auch step by step wieder auf die Beine zu kommen.
Als es nun plötzlich so warm wurde, war es ähnlich. Beim Gassigehen merkte er, dass ich nur ganz langsam gehen kann, drehte sich um und passte sich mir an. Die letzte Nacht durfte er bei mir im Bett verbringen. Mir wurde gestern beim Essen sehr übel, sodass ich Medikamente nehmen musste und mich schlafen legte. Von gestern ca 21.00 bis heute ca 10.00 bestand meine Nacht aus Schlafen und Toilettenbesuchen. Normalerweise bleibt Matt nachts liegen, wenn ich kurz auf Toilette gehe. Diesmal begleitete er mich jedes Mal und legte sich an meinen Füßen hin. Um halb 4 war ich fit genug um kurz mit ihm Pipi machen zu gehen – er folgte ohne zu murren. Den ganzen Tag verhielt er sich ruhig.

Unabhängig davon, ob Matt irgendwann mein offizieller Assistenzhund werden kann oder nicht, lernt er nun „Assistenzhundetätigkeiten“. Wir beginnen mit dem für mich am Wichtigsten: Notfallmedikamente und Notfalldaten bringen. Basis dafür ist das Appotieren. Er soll auch noch lernen mit das Festnetz-Telefon zu bringen sowie mein Handy. Eventuell auch mein Portemonnaie (wegen der Versicherungskarte). Da ich gelegentlich Panikattacken habe und meine Medikamente meine Wahrnehmung beschränken bzw. mir es schwer fällt die Orientierung zu behalten, da ich unter anderem Seestörungen bekomme, soll er meine Hände ablecken – was er ohnehin tut, wodurch ich dies nur noch etwas „unterstützen“ muss und beobachten muss, ob er dies evtl. selbst bereits in „Bedarfssituationen“ tut.
Anfangs hätte ich nicht mal ansatzweise gedacht, dass Matt Assistenzhund werden könnte, doch wenn er die Fertigkeiten erlernt, stehen die Chancen wohl ganz gut. Dazu muss ich sagen, dass mir seine ängstliche Art sehr hilft. Ich erlebe das aktuell vor allem beim Arzt: Normalerweise geht mein Puls beim Arzt hoch und mein Blutdruck ist immer grenzwertig hoch (Mind. 140 zu …). Mit Matt hatte ich das allererste mal einen idealen Blutdruck beim Arzt. Mein Fokus ist durch ihn einfach ein anderer, da ich mich nicht auf meine Ängste versteigen kann, und ich fühle mich tatsächlich – auch wenn sich das dumm anhört – „geerdeter“.
Matt als Assistenzhund wäre für mich tatsächlich eine ziemliche Erleichterung und es hätte nebenbei den Vorteil, dass ich ihm Notfallmedikamente an sein Geschirr hängen könnte, damit ich wirklich immer welche dabei habe. In guten Phasen vergesse ich sowas leider oft bis plötzlich wieder Krämpfe, Übelkeit und Co einsetzen. Dann muss ich nämlich schauen, wie ich bestenfalls nach Hause komme – was leider ohne Medikamente oft nicht klappt. Persönliche Doofheit.

Dickdarmlos

Autor*in: Dickdarmlos

Die Verdauungsorgane, insbesondere der Darm, sind für viele ein absolutes Tabuthema. Es ist ekelig, man möchte nicht darüber sprechen und erst recht nichts darüber hören. Doch was ist, wenn du mit einem Gendefekt auf die Welt kommst und dein Darm früher oder später in den Mittelpunkt deines Lebens rückt?

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