Gastbeitrag von: N/Blue

In Slow Motion wechselt der Ball die Seite, so langsam, dass ich es kaum spürbar wahrnehmen kann. Dann kommt der Aufschlag und ich falle, manchmal so tief, dass das Licht verblasst und ich die Hoffnung aus den Augen verliere. Kein Zugang mehr zu Ressourcen, Skills und allem was ich gelernt habe, alles verblasst.

Ich bin traurig und denke mir dann: „Wenn du nichts machst, kann auch nichts passieren“. Ich gehe meiner Arbeitstherapie und meinen Verpflichtungen nach und ich merke, wie jeder Schritt, jede Aktion, mehr und mehr Energie aus meinem Körper, meiner Seele zieht. „Durchhalten, noch eine Stunde“, sage ich mir und alle zwei Minuten den Blick auf die Uhr.

Die Zeit scheint wie Ich verlangsamt, keine Energie und jetzt kommen die Termine auf mich zu, die ich in der Normalität oder der Euphorie vereinbart habe, ich sehe sie immer noch als wichtig, wichtig für mich, meine Entwicklung und Zukunft.

Aber kaum merklich breche ich unter der Last, es zieht mich immer tiefer nach unten, „wann hat es sein Ende, wann kann ich mich ins Bett legen und auf morgen hoffen, wenn es mir besser geht“?

Mit den monatlichen Wechseln hat es angefangen, damit bin ich zufrieden gewesen, ich dachte, dass ist normal, die depressive Phase lässt nach, ich kann mich wieder freuen, auf die Arbeit gehen und mich gut fühlen, etwas mit Freunden unternehmen und mich nicht schlecht fühlen, weil ich alles langweilig oder nervig fand, auch wenn ich mich immer „normal“ gegeben habe. „Man muss ja irgendwie funktionieren“, auch wenn meine Freunde und Arbeitsstelle es nie verlangt haben. Ich bin es, der so gefestigt von seinen Mustern nicht mehr fähig war, es zu akzeptieren.

Gut 2 Jahre später sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, zu welchem Zweck? Das weiß ich noch nicht. Mittlerweile wechseln sich die Phasen wöchentlich, täglich, stündlich ab, kaum abzusehen, kann mich nicht drauf vorbereiten. Und Vorbereitung ist alles, was ich brauche, wenn der Ball in der Luft ist. Ich muss wissen was und wann es auf mich zukommt.

Wieder einer dieser Tage und es reißt mich aus der Normalität. Oder ist das jetzt die Normalität geworden?

Lange Rede – kurzer Sinn, klarkommen tue ich irgendwie. Ich habe gelernt auch in schwierigen Momenten, mir Hilfe zu holen. Sei es in einem Klinikaufenthalt oder jetzt in meiner betreuten Wohngruppe. Wenn ich meine Betreuerin informiere, diese mir zuhört und mir hilft, in den dunklen Phasen wieder einen Lichtblick zu erkennen, meine Ressourcen auf den Tisch zu bringen, wenn ich in zwischenmenschliche Interaktion mit meiner Mitbewohnerin oder mit meiner Mutter übers Telefon gehe. Dann, dann dauert es nicht lange und ich rutsche in die Normalität. Ich kann wieder durchatmen. Wieder etwas hoffen, solange bis ich meine Therapie beginnen kann, um endlich einen gesunden Umgang zu finden, der mich langfristig stärkt.

Egal was euch belastet, in welcher Phase ihr steckt, wenn ihr merkt „ich brauche Hilfe“ oder zumindest einen Abstand, dann versucht es doch auch mal, geht in eine Interaktion mit Menschen, welche euch nahestehen oder denen ihr vertraut. Oder versucht euch, anderweitig aktiv abzulenken, sei es, dass ihr spazieren geht und dabei aktiv mit euren Sinnen die Umgebung entdeckt, oder ihr Musik hört und laut mitsingt, es kann alles sein. Wenn ihr noch nicht die Möglichkeit habt, mit jemandem zu reden oder evtl. eine Therapie zu machen, falls nötig, dann müsst ihr auch nicht unbedingt über eure Probleme reden. Für den Anfang ist es ok, es wegzuschieben, sich abzulenken. Sammelt die Kraft und Energie, bis ihr es schafft euch damit auseinanderzusetzen, irgendwann kommt die Zeit, ihr werdet es merken und ihr seid bereit. Für den Kampf in ein gesünderes Leben.

Autor*in: Gastautor*in

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