Gastbeitrag von: N/Blue

Wieder einer dieser Tage: schwarz am Aufschlag und es reißt mich aus der Normalität. PingPong in Slow Motion, so würde ich meine Stimmungsschwankungen beschreiben. Auf der einen Seite schwarz, auf der anderen weiß. Die Depression und das Glücksgefühl im Wechsel, im Kampf um die Macht.

Ich kenne es nicht anders – an einem Tag geht es mir gut, am anderen wieder sehr schlecht, die Zeit dazwischen, würde ich als Normalität beschreiben, weder gut noch schlecht. Ich bin es gewohnt mit den Schwankungen zu leben, dennoch ein Balanceakt, der alles von mir abverlangt.

Die Zeit dazwischen ist gut auszuhalten – wenn der Ball in der Luft ist, kann ich durchatmen, meine Gedanken sammeln und mich auf wichtige Dinge konzentrieren, meine Gesundheit und meine weitere Entwicklung.

Manchmal hält die Normalität einige Tage an und ich kann durchatmen, fast hoffnungsvoll, dass die Schwankungen ihr Ende genommen haben. In dieser Zeit bin ich am produktivsten, ich kann mich auf meinen Alltag konzentrieren, meine Arbeit machen, Termine wahrnehmen, ohne unter der Last erdrückt zu werden. Ich kann mich auf meine Musik, das Malen und auf meine Lieblingsserien konzentrieren, den Normalzustand akzeptieren, voll in ihm aufgehen. Keine Extreme, einfach normal.

Doch dann ist weiß an der Reihe, fast unmerklich katapultiert es mich nach oben. Ich lache viel mehr, bin extrem gut drauf und fühle mich fast schwerelos.

Ich brauche Ewigkeiten um zur Ruhe zu kommen, weil ich so energiegeladen bin, dass ich nicht mal richtig im Bett liegen kann, ich sehr laute Gedanken habe, alles erscheint als wichtig, oder ich höre Musik so laut auf meinen Ohren, sodass ich nicht anderes kann, als in meinem Bett herumzuhüpfen und mitzusingen, egal ob meine Mitbewohner schlafen. Extreme Euphorie, Leichtigkeit, halb ertränkt durch meine Ideenflut, ein richtiges „Motivationshigh“. Dann sind Stunden vergangen und ich hätte schon lange schlafen müssen, morgen muss ich schließlich früh raus.

Bis die Energie wieder sinkt, beschäftige ich mich mit allem, was geht. Ich denke kaum drüber nach, was mir gut tun könnte, ich bin im „Mach’s jetzt Modus“. Ich habe wieder Energie laufen zu gehen, manchmal so viel, dass ich kaum Pausen machen muss. Manchmal muss ich sogar rennen gehen, weil ich das Gefühl habe, dass mein Körper,oder viel mehr, was in ihm vorgeht, viel schneller ist als das Außen. Wenn dann die Bäume an mir vorbeirauschen, nicht mehr als Bäume zu erkennen sind, wenn ich wie im Tunnel gefangen bin, denke ich mir, ja, diese Geschwindigkeit, mit der kann ich leben.

Wenn die Energie dann so langsam nachlässt und ich wieder normal denken kann, frage ich mich, wie krankhaft mein Verhalten denn ist.

An einem Tag niedergeschlagen, keine Energie und todtraurig am nächsten der Euphorie so Nahe, dass es kaum auszuhalten ist, stillzustehen und meinen Tag normal zu gestalten.

Der zweite Teil des Textes folgt in Kürze.

Avatar

Autor*in: Gastautor*in

Ab und an schreiben auch Gäste in unserem Blog. Gastbeiträge sind mit dem Namen "Gastautor*in" gekennzeichnet.

in Zusammenarbeit mit:

Logo Schon mal an Selbsthilfegruppen gedacht?