Seite wählen

Das Schönste am Verreisen ist machmal die Reise selbst: unterwegs sein, sich auf das Ziel freuen, davon träumen, was einen dort erwartet. Aber auch Heimkommen ist für mich eigentlich immer besonders: Zurück zum Vertrauten, erfüllt von dem Erlebten, und trotzdem glücklich, wieder zu Hause zu sein. Doch die Heimreise, nachdem ich mir auf Hawaii eine „bimalleoläre Sprunggelenksfraktur“ zugezogen hatte, war eine schier nicht enden wollende Qual.

In den USA ist medizinisch gesehen einiges anders als in Deutschland. Statt in eine moderne Orthese (so was ähnliches wie ein Skischuh) wurde mein gebrochener Fuß in zwei Schienen gesteckt und dick mit Mullbinden umwickelt – was so wahrscheinlich schon zu Zeiten des Wilden Westens üblich war. Eine Thromboseprophylaxe wollte man mir trotz des anstehenden 24-Stunden-Fluges nach Hause auch nicht verschreiben. Nicht nötig, hieß es. Dafür gab es Schmerzmittel bis zum Abwinken: Oxycordon. Ja, genau: Das ist das Zeugs, das in den USA für tausende Abhängige und viele Tote sorgt. Nach drei Tabletten und  totaler Orientierungslosigkeit hab ich damit aufgehört und lieber die Schmerzen ertragen.

Meine Auslandskrankenversicherung hatte die Rückreise auf Liegesitzen in der Businessclass genehmigt, das bedeutete jedoch, dass wir zuerst nach L.A., von dort nach New York und schließlich nach Berlin fliegen mussten. In Honolulu begleitete uns eine Flughafenmitarbeiterin zum Gate und schob mich so rasant durch die Gänge, dass ich Angst hatte, aus der Kurve zu fliegen. In L.A. wurde ausgerechnet ich in meinem klapprigen Rollstuhl zum Drogentest geschoben, der ewig dauerte, weil er unter den Argusaugen eines Ausbilders von zwei Zollkontrollneulingen mehrmals durchgeführt wurde. Mein Stöhnen und die Bitte, schnell zu machen, damit ich meinen Fuß wieder hochlegen kann, wurde geflissentlich ignoriert. Im Flugzeug fragte mich eine Stewardess, ob ich meinen Platz ganz vorne nicht für ein paar Fluggäste räumen könnte, die gerne zusammen sitzen würden. Meinen entsetzten Gesichtsausdruck, meine Krücken und meine körperliche Hilflosigkeit hat sie einfach nicht zur Kenntnis genommen.

Der Höhepunkt des Höllentrips aber begann in New York. Glücklich, endlich im letzten Flieger zu sitzen, hatte ich meinen Fuß irgendwie halbwegs sicher auf Kissen platziert und war sogar etwas eingenickt, da kam – zwei Stunden nach Abflug  – eine Durchsage vom Flugkapitän: Höhenruder defekt, wir müssen zurück. Mitten in der Nacht, nach welcher Ortszeit auch immer, saßen wir wieder am JFK und wussten nicht, wie es weiter gehen würde. Drei Stunden später erfuhren wir, dass das Ruder repariert wurde und der Flug nun fortgesetzt werden sollte. Wer da nicht ein bisschen Muffensausen bekommt!

An den Rest der Reise erinnere ich mich nicht so richtig. Ich weiß nur, dass wir abends noch insgesamt 38 Stunden in Berlin ankamen, in ein Taxi stiegen und zuhause sofort ins Bett fielen. Doch zwei Stunden später wachte ich mit so starken Schmerzen auf, dass ich so schnell wie möglich ins Krankenhaus wollte. Und so kam ich in die nächste Notaufnahme, wo es allerdings nicht so hektisch zuging wie in Honolulu und die diensthabende Ärztin sich viel Zeit nahm, mit mir zu sprechen.

Was sie mir sagte, war allerdings nicht besonders erfreulich: Vier Stunden OP, fünf Tage Krankenhaus, sechs Wochen Ruhigstellung mit „Stellschraube“, monatelanges Wiederaufbauprogramm, keine Garantie für eine vollständige Wiederherstellung der in Kleinstteile zerbrochenen Knochen.

Aber was soll ich euch sagen: Ich hab das alles durchgehalten und sechs Monate später habe ich meine nächste Reise angetreten: in die Reha nach Bad Driburg. Und davon hab ich hier schon live gebloggt. Wer Lust hat, das nachzulesen, findet die Berichte in meinem Autorinnenprofil oder fängt direkt hier an: www.junge-selbsthilfe-blog.de/eine-bahnfahrt-die-ist-lustig.

So, und zum Schluss noch ein ganz besonders lieber Gruß an ein paar unserer Autor*innen, die momentan eine so schlimme Zeit durchmachen, dass meine Erlebnisse geradezu wie ein Spaziergang anmuten. Haltet durch, ihr schafft das!

RE-HAse

Autor*in: RE-HAse

... hatte 2017 Jahr ganz schön Pech und sich gleich zwei Mal den Fuß ziemlich heftig gebrochen. Was folgte, waren viele Schmerzen, viel Ungeduld und die Erkenntnis, dass es nie wieder so wie früher sein wird.

in Zusammenarbeit mit:

Logo Schon mal an Selbsthilfegruppen gedacht?