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Foto von Mondfinsternis

Hallo Leute, ihr habt ja schon ziemlich lange nichts mehr von mir gehört. Das lag daran, dass ich mich mehrere Monate in einer dicken-fetten Krise befand. Die Krise begann eigentlich schon im Sommer des letzten Jahres, als ich ein neues Knie bekommen musste und der Erfolg der OP gleich Null war. Im Grunde sind die Schmerzen schlimmer als vorher und die Beweglichkeit noch schlechter. Des Weiteren hatte ich im letzten Oktober eine Therapiesitzung, die mich ziemlich aus der Bahn geworfen hatte und dazu geführt hatte, dass ich mich und mein Leben in Frage gestellt habe.

Daraufhin folgten viele Aufenthalte auf einer Krisenstation in der Psychiatrie. Aufgrund meiner Knieschmerzen und Unbeweglichkeit bin ich im März in eine Schmerzklinik gegangen, mit dem Ziel dort eine Verbesserung der Situation zu erlangen. Das stand aber auch unter keinem guten Stern, da ich am Tag vor der Aufnahme erfahren hatte, dass ich aus meiner betreuten WG ausziehen muss und meine Bezugsbetreuerin die Betreuung von jetzt auf gleich abgelegt hatte, ohne mir das gegenüber zu begründen. Das hat mich sehr geschockt. So konnte ich mich nicht auf die Schmerztherapie einlassen. Das alles führte dazu, dass mir der Mut zum Leben doch ziemlich abhanden gekommen war. Es ging für mich daher in dieser Zeit eigentlich nur noch ums Überleben. Unerwünschte Verhaltensweisen, die ich in den letzten Jahren ablegen konnte (Rauchen, zu viel Cola trinken, zu viel essen …), waren jetzt wieder das Mittel der Wahl, um mit meinen Gefühlszuständen vermeintlich zu Recht zu kommen.

Ich bin dankbar, in der Zeit viele tolle Menschen an meiner Seite gehabt zu haben, die an mich geglaubt, mich unterstützt (manchmal auch zu viel … ☺) und mir gezeigt haben, dass das Leben lebenswert sein kann. Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn ich mit all dem ganz alleine gewesen wäre. So konnte ich mich Stück für Stück aus der großen Krise rausbewegen und wieder Freude am Leben empfinden. Ich bin wieder motiviert zu kämpfen für die Dinge, die mir im Leben wichtig sind (meine Familie, Freunde …).

Bezüglich der Schmerzen meines Beines gab es vor einigen Tagen eine Schmerzkonferenz. Dabei waren 14 Ärzt*innen aus den verschiedensten Fachrichtungen anwesend. Ich konnte ihnen vermitteln, wie sehr meine Lebensqualität unter den Schmerzen und der Bewegungseinschränkung leidet. Sie waren alle sehr betroffen und haben aus meiner Sicht einen guten Behandlungsfahrplan miteinander entwickelt.
In den kommenden Wochen werden die ersten Behandlungen starten: Schmerzklinik, Akupunktur und andere. Ein Experte für Knochenbehandlungen wird mit einbezogen. Allen in der Konferenz war wichtig, dass nicht mehr jeweils nur ein Problem angegangen wird, sondern dass es einen ganzheitlichen Ansatz braucht, damit ich langfristig sowohl körperlich als auch psychisch genesen kann.
Meine Wohnsituation klärt sich auch so langsam: Momentan wohne ich in einer Frauenunterkunft und gucke von dort aus, wo es hingehen kann. Ich fühle mich dort sehr wohl. Ich habe das Glück, dort ein Einzelzimmer zu haben. Als Zwischenlösung ist das eine gute Wohnform, in der ich mich sortieren und wieder bei mir ankommen kann.

Mein Fazit? Mir wäre es wahrscheinlich besser gegangen, wenn ich in der ganzen Zeit auch weiterhin meine Selbsthilfegruppen besucht hätte. Dort wäre ich auf das Verständnis von anderen gestoßen und hätte nicht so viel mit mir alleine ausmachen müssen. Das habe ich zu der Zeit aber irgendwie nicht mehr geschafft. Zum Glück gab es dann aber Freund*innen aus der Selbsthilfeszene, die sich mich unter den Arm klemmten und mit in ihre Gruppen „schliffen“. Danke!

Trocken, Clean und Glücklich

Autor*in: Trocken, Clean und Glücklich

Ich bin in der Suchtselbsthilfe zu Hause. Durch meinen Sebsthilfeverein konnte ich in vielerlei Dingen über mich hinausgewachsen. Dank meiner eigenen Betroffennheit habe ich die Möglichkeit bekommen, in einer Selbsthilfekontaktstelle, als Projektleitung Junge Selbsthilfe zu arbeiten. Krankheiten können durchaus auch positve Aspekte haben.

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