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Schreibtisch voll mit Lernzetteln

»Ich kann nicht mehr« ist ein Satz, der im Moment immer häufiger in meinen Gedanken auftaucht. Zu viele Ängste, zu viele Aufgaben und zu wenig Kraft. Und trotzdem ist es schwierig, diesen Gedanken ernst zu nehmen. Und noch viel schwieriger ist es, dementsprechend zu handeln.

Dass es nicht einfach wird, in einer neuen Stadt ein neues Studium anzufangen, habe ich mir vorher denken können. Neues bringt immer viel Unsicherheit und viele Ängste mit sich. Aber jetzt wohne ich schon eineinhalb Monate hier, die Uni hat schon vor mehreren Wochen begonnen und es wird nicht einfacher. Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig. In Bulgarien hat es fast ein halbes Jahr gedauert, bis sich die Ängste auf das Normallevel eingependelt haben. Aber ich habe das Gefühl, es wird von Woche zu Woche immer schwieriger. Die Ängste werden stärker. Ich bin innerlich total angespannt und weiß nicht, wie ich diese Anspannung vernünftig abbauen kann.

Auch mein Körper schickt mir Warnsignale, dass es so nicht weitergehen kann. Mir ist ständig schwindelig, meine Verdauung funktioniert nicht optimal und ich bin schon zum dritten Mal innerhalb dieser eineinhalb Monate erkältet. Ich fühle mich kraftlos und erschöpft und würde am liebsten einfach nur im Bett liegen und nichts tun. Aber das geht nicht, weil in der Uni Anwesenheitslisten geführt werden und bei der Arbeit in dieser Woche so viel zu tun ist, dass ich meine freien Nachmittage dafür aufgeben muss.

Und dann ist da noch der Gedanke »Ich muss leistungsfähig sein, alle anderen schaffen das auch alles und noch viel mehr«, der ganz stark in meinem Kopf rumschwirrt. Denn: Ist es die Erkältung, die mich am liebsten ans Bett fesseln würde oder ist das die Depression? Darf ich einen Tag zuhause bleiben und mich erholen oder sind das die Ängste, die mich nicht nach draußen lassen? Ich vergesse oft, dass der Alltag für mich schwieriger ist als für eine Person ohne Ängste. Aber auch das anzuerkennen ist momentan sehr schwierig für mich, denn: Auch mit den Ängsten muss ich doch genauso viel Leistung erbringen. Und schließlich ist es »nur die Psyche«…

Mutsammlerin

Autor*in: Mutsammlerin

An ein Leben ohne Angst kann ich mich nicht erinnern. Aber ich kann davon träumen, die Angst aushalten und für meine Träume kämpfen.

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