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Diesen Text habe ich vor ein paar Monaten in meinem Urlaub auf Malta aufgeschrieben. Aber dann habe ich mich nicht getraut ihn zu veröffentlichen. Ich habe mir allerdings vor zwei Jahren geschworen, dass mein Mut immer größer sein wird als meine Angst. Daher werde ich heute, passend zum Blognamen, mutig sein:

Da lag ich so am Strand als mir plötzliche klar wurde, dass mich wieder alte Gedanken und Verhaltensmuster heimsuchten, die mich damals schon als Teenie extrem hemmten. Schon in der Pubertät versuchte ich einem Schönheitsideal hinterher zu laufen, welches ich bis heute nicht erreicht habe. Ich habe schon immer von schön geformten, schlanken, durchtrainierten Beinen und einem Po ohne auch nur einen Ansatz von Cellulite geträumt. Ja, dieses böse Wort, welches nicht umsonst gerne von den Medien, der Gesundheits,- Sport,- und Beautyindustrie in den Mund genommen und verteufelt wird. Dabei haben ca. 80% der Frauen Cellulite. Bei Einen ist es eben etwas mehr ausgeprägt, als bei Anderen. Selbst die Stars, die alle einen Personaltrainer haben, haben damit zu tun.. Bei ihnen wird es dann nur mit Photoshop wegretuschiert. Das wissen wir doch alle. Trotzdem werden wir an jeder Ecke mit den scheinbar perfekten Bodys konfrontiert, die einem weiß machen sollen, dass dies die Normalität sei, welche es anzustreben gilt und wenn man noch nicht so aussähe, dass man dann unbedingt daran arbeiten müsse. Die perfekte Strategie um dorthin zu kommen, wird natürlich direkt mit geliefert.

Ich habe nun mal eine weibliche Figur mit ausgeprägten Hüften, Po und Beinen. Dies liegt bei uns in der Familie und ehrlich gesagt, gefällt es mir diese Form an sich auch ganz gut. Aber gleichzeitig wurde mir damit auch ein schwächeres Bindegewebe vererbt. Das bringt mich seit meiner Pubertät dazu mich am Strand unwohl zu fühlen.

Mit den Jahren hatte sich das Gefühl eigentlich in ein eher positiveres Gefühl umgewandelt. Und dann, ganz plötzlich, war es wieder da. Dieses Gefühl nicht schön genug zu sein, nicht zu genügen und den Blicken und Gedanken der jungen Mädels und Frauen nicht selbstbewusst standzuhalten. Ich kenne diese Vergleichs-Gedanken der Körperstellen, die man an sich selbst am wenigsten mag. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich auch schon mehrmals beim Vergleichen erwischt.

Warum verschwestern wir Frauen uns nicht, wenn es um solche Themen geht? Diese Frage habe ich mir schon mehrfach gestellt. Warum sind wir Frauen oft gegenseitig so kritisch und haben auf der anderen Seite Missgunst-Gedanken den Frauen gegenüber, denen es scheinbar besser geht bzw. die scheinbar besser aussehen als man selbst. Ist es Neid? Ich denke schon. Diese Frau hat dann etwas, was man eigentlich auch gerne hätte und anstatt ihr Anerkennung dafür zu geben machen wir sie nieder und finden etwas an ihr, was doch nicht so perfekt ist.

So verloren ich diesen Gedanken hinterher hing und immer mehr darüber nach dachte, bohrte sich plötzlich ein anderer Gedanke in meinen Kopf, der laut rief: Wenn ich mal nicht mehr sein sollte, wird absolut niemand über meinen Körper oder meine Cellulite reden. Aber hoffentlich werden die Leute darüber sprechen, dass ich wusste, mein Leben in vollen Zügen zu leben und ich wusste es bis zum Ende auszukosten!

Mit diesem Gedanken und plötzlich frei von negativen Gefühlen bin ich stolzen Schrittes ins Meer spaziert. Who cares, was die anderen Leute über meinen Körper denken! Es ist doch scheiß egal und unwichtig. Ich bin gesund und darf hier am Mittelmeer am Strand liegen und eine geile Zeit haben. Das ist alles was zählt. Es ist doch viel mehr wert eine tolle Zeit zu haben als einem Körper hinterherzutrauen, den man nie haben wird! Das bedeutet nicht, dass ich mit dem Sport aufhören werde oder aufhöre mich gesund zu ernähren. Dies tue ich vor allem aber aus gesundheitlichen Aspekten heraus und weil ich mich damit sehr wohl fühle. Mein Blick richte ich jetzt deutlich weniger auf meine „Problemzonen“ und viel mehr auf die Körperstellen, die ich an mir mag. Diese gibt definitiv auch. Und es tut unendlich gut, über sich selbst positiv denken zu können und sich zu mögen, so ganz unperfekt schön.

Die ganzen Industrien wohlen sowieso nur mein Geld. Das werde ich aber weiterhin lieber für schöne Urlaube ausgeben, als mir davon die nächste Anti-Cellulite Creme in mein Badezimmer zu stellen. Es gibt im Leben doch weitaus schlimmeres als ein paar Dellen am Arsch. Und solange wir uns darüber einen Kopf machen, geht es uns. Denn um ehrlich zu sein, ist es ein absolutes Luxusproblem, welches ich mir in Zukunft nicht mehr leisten möchte!

live_as_a_phoenix

Autor*in: live_as_a_phoenix

"Der Phönix ist ein mythischer Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt oder stirbt, um aus dem verwesenden Leib oder aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. Diese Vorstellung findet sich heute noch in der Redewendung „Wie ein Phönix aus der Asche“ für etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint" (Quelle: Wikipedia)

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