Häufig gehen Menschen, die erfahren, dass ich Mitglied in einem Theaterverein bin und aktiv in Stücken spiele, davon aus, dass ich das sicherlich meines Germanistikstudiums wegen mache. Natürlich, für die Liebe und Begeisterung zum Drama, dem aktiven und performativen Teil der Literatur, ist mein Studium mit verantwortlich. Ebenfalls wird erst durch das Spielen und nicht nur durch das bloße Lesen einem Drama Leben eingehaucht. Schließlich wurden Dramen ja geschrieben um auf der Bühne gespielt und nicht im heimischen Sessel oder in der Universitätsbibliothek gelesen zu werden. Der wahre Grund, warum ich die Entscheidung getroffen habe, mit dem Spielen anzufangen, liegt in meinen Ängsten begründet. Während diese zu Beginn meines Studiums noch schwach im Hintergrund, kaum hörbar ihr kleines Heimkonzert veranstalteten, wuchsen sie im Laufe des Studiums zum Mainact heran. Fortan sollten sie, die Musik meiner Stimmung sein.Steigende Selbstzweifel, größer werdende Bewertungsängste und die immer häufiger auftretende Furcht sich zu exponieren sind die eigentlichen Triebfedern, die mich häufiger zum Suchtmittelkonsum trieben. Diese drei sollten später wichtigen Motive meiner Suchterkrankung werden. Gleichzeitig sind diese Motive auch dafür verantwortlich, dass ich mich entschieden habe, Theater zu spielen.


Das Theater ist für mich dabei wie eine Art therapeutische Maßnahme, Exposition, Herausforderung, die ich mir selbst verschrieben habe, die weder mir noch meinem Umfeld schadet und mich an mir selbst wachsen lässt. Durch das Stehen auf der Bühne schaffe ich es, meine Selbstzweifel, Ängste und meine Furcht zu überwinden und diese nicht fortwährend in einem ausschweifenden, maßlosen und lebensbedrohlichen Substanzkonsum zu ersäufen. Das Theater hilft mir dabei jedes Mal aufs neue, mich selbst angstfrei zu erleben und selbstbewusst kennenzulernen. Das Stehen auf der Bühne und Spielen vor Publikum ist dabei wie ein Pharmazeutikum. Eins, das nicht auf Knopfdruck funktioniert und harter Arbeit bedarf, aber noch lange nach einem Auftritt seine Wirkung entfaltet.
Ich bin froh diese Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn es viel Überwindung gekostet hat, das erste Mal vor Publikum zu spielen, half es mir dabei ungemein, mein Angstkonzert auf die Nebenbühne zu verbannen und die Mainstage für die positiven Erfahrungen in meinem Leben freizubekommen.

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Künstler: Wounds_and_Cracks

Bossi

Autor*in: Bossi

Ich möchte meine eigene Gruppe etwas anders angehen und die üblichen Runden einer Selbsthilfegruppe mit ein paar innovativen Methoden etwas beleben. Über eben diesen Einsatz von Methoden in der Selbsthilfe, meine Erfahrungen damit und meine persönliche Suchtgeschichte möchte ich im Blog berichten und mich darüber austauschen.

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