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Gerne wollte ich diesmal über das Bundestreffen schreiben, das für mich inspirierend und aufmunternd war. Aber leider überschattet etwas sehr schlimmes wieder einmal mein Leben, sodass ich nun doch nicht darüber schreiben kann. Doch beginnen wir mal ganz am Anfang….

Das Bundestreffen war für mich wie ein Segen, ich habe es gebraucht aus meinem Umfeld weit entfernt herauszukommen, alles hinter mich zu lassen und mich auf die Selbsthilfe zu konzentrieren. Schon am letzten Tag des Bundestreffens lief jedoch alles drunter und drüber. Ich hatte am Abend zuvor den Schlüssel bekommen, um die Türen zu verschließen, wir haben uns nur am Spieletisch aufgehalten, doch der Schlüssel war dann plötzlich weg, obwohl er die ganze Zeit während des Billiardspiels auf der Bank gelegen hatte. Ich hatte den Schlüssel schon die Tage zuvor und es war gar kein Problem, ich habe ihn am nächsten Morgen immer abgegeben. Dann war er plötzlich weg. Ich dachte mir, ok meine letzten Geburtstage liefen auch immer schief, einer schlimmer als der andere. Wir suchten überall, doch konnten ihn nicht finden. Schlafen und entspannen konnte ich so recht nicht, weil ich Angst vor dem nächsten Morgen und der Reaktion hatte. Im Gegensatz zu den anderen hatten wir geplant zwei Tage länger zu bleiben. Wir wollten eigentlich am Montag, an meinem Geburtstag im Harz wandern gehen, ich hatte schon über eine Woche vielleicht maximal zwei Stunden die Nacht geschlafen und war völlig fertig. Meine Freunde, die am Sonntag dazukamen, waren auch müde. Und weil mein Geburtstag war, dachten wir ok, wir gehen schlafen und lassen das Frühstück weg, um nicht ganz so fertig zu sein. Die mit denen ich am Tag zuvor gesprochen hatte, sagten, dass sie sowieso bis ca elf oder zwölf bleiben wollten, darum dachte ich, man sieht dann alle sowieso nochmal  um sich zu verabschieden und hat Zeit. Nichtsdestotrotz stellte ich mir ca um neun den Wecker, weil ich dachte, vielleicht fragt noch wer früher nach dem Schlüssel oder andere wollen früher weg usw. Am nächsten Morgen wurde ich wieder mit sehr wenig Schlaf wach und allein der Gedanke, dass der Schlüssel nicht wieder aufgetaucht war, machte, dass sich mir der Magen drehte. Ich wischte den Wecker schnell weg, suchte meine Brille (weil ich ohne fast nichts sehe) und nahm erstmal ein paar Tropfen gegen die Übelkeit. Dann versuchte ich meinen Freund zu wecken, der jedoch nur meckerte und sich wieder rumdrehte. Ein paar Weckversuche weiter, und einen Toilettengang, ging ich zurück um die Beine hochzulegen, weil mir wieder übel wurde. Dann sah ich, dass die Betreuerin geschrieben hatte, wir sollten runter zum Frühstück kommen. Mist, dachte ich, die Nachricht war bestimmt schon eine halbe Stunde her, aber weil wir dachten das Frühstück wegzulassen und ich mir sowieso abgewöhnt hatte aufs Handy zu schauen, sah ich es zu spät. Ich sagte es meinem Freund, der nur vor sich hin murmelte und wollte mich dann umziehen. Dann klopfte eine Teilnehmerin schon an die Tür. Als wir unten ankamen, waren alle ziemlich stinkig, das mussten sie nicht sagen, das sah ich ihnen an. Sie hatten einen kleinen Schokokuchen mit Kerze bereitgestellt, und mein schlechtes Gewissen machte sich breit, weil alle gewartet hatten und ich nicht da war, weil ich nicht damit gerechnet hatte und meine Schlafstörungen wieder alles vernichtet hatten. Ich pustete die Kerze aus und einer fragte schnell was mit dem Schlüssel sei. Was sollte ich denn sagen? 🙁 Es waren schnell alle weg, und wir blieben dann zu dritt da sitzen und aßen was. Mir war alles wieder nur mega unangenehm und meine Freunde versuchten mich mit lustigen Geschichten und Witzen abzulenken. Da wir dachten zu wandern, frühstückten wir gut. Danach ging ich zurück aufs Zimmer und rief in der Touristikinformation an, um zu fragen wo genau wir parken usw müssen um zum Brocken zu kommen und um mich abzulenken. Was ich nicht bemerkte war, dass das Telefonat fast eine halbe Stunde dauerte und mit dem Ergebnis, dass es Sturmböen dort oben von 170 km/h gab und keine Bahn mehr runter fuhr, sodass wir doch nicht dort wandern konnten. Wir überlegten was wir tun könnten und einer von uns war in der Zwischenzeit duschen. Mir war einfach nur kotzeübel und ich legte wieder meine Füße hoch. Dann fingen wir an zu packen, doch im selben Moment kam jemand und fragte nach dem Schlüssel. Mist, alles lief aber auch schief. Immer wenn ich mich bückte um was in den Koffer zu schmeißen drehte sich wieder alles und so kam ich nichtmals wirklich voran. Am Schluss spürte ich natürlich wie sauer alle waren..  Doch jetzt zum eigentlichen, was mich gerade so fertig macht.

Wir gingen stattdessen in den Worbis Alternativbärenpark und fuhren dann nach Bad Lauterberg zur Ferienhofpension. Dass ich dort warscheinlich zum letzten Mal mit meinem Opa sprach, zerreißt mich. Dass ich meiner Überlegung, einen Screenshot zu machen beim Gespräch nicht nachgekommen bin, macht mich wütend auf mich selbst. Ich spürte irgendwie wohl schon, dass etwas nicht stimmte. Meine Großeltern leben in Südamerika und meine Oma rief mich an, um mir zum Geburtstag zu gratulieren. Meinem Opa geht es schon länger nicht so gut. Er kann fast gar nicht sehen, und sein Gehör ist auch trotz Hörgeräte sehr schlecht. Vor kurzem wurde bei ihm Leberkrebs festgestellt, das kommt hinzu. Ich war meine Großeltern Weihnachten 2017 besuchen. Leider lief auch da alles nicht besonders gut. Zusammengefasst, behandelte meine Oma ihren Hund sehr schlecht, was für mich ein Schock war. Wer mich kennt, weiß, dass ich Tiere wo ich kann beschütze, wenn nötig mit meinem Leben, und mich für sie einsetze. Tiere sind mein Leben. Natürlich ging ich dazwischen und es wurde ein Streit daraus. Denn meine Oma verstand einfach nicht, wieso ich so wütend war, für sie war es normal. Ich schloss mich im Zimmer ein, weil ich nichts Schlimmes sagen wollte, schließlich war es meine Oma; und dann klopfte mein Opa, der natürlich durch sein schlechtes Gehör und Sehvermögen nicht wirklich verstanden hatte was passiert war. Ich ließ ihn hinter der Türe klopfen,….. seine Rufe und sein fast Weinen gehen mir einfach nicht mehr aus dem Kopf… jetzt ist es zu spät…Nur konnte ich damals die Türe nicht öffnen, ich konnte einfach nicht, ich war völlig fertig. Die Hündin war sehr krank, Tumor, sie musste operiert werden, ich habe versucht sie da rauszuholen usw, mit anderen Worten, es drehte sich viel um den Hund, da meine Großeltern nicht mit ihr zum Tierarzt konnten aufgrund ihrer Kraft etc und ich das somit übernahm. Leider unternahm ich dadurch fast nichts mit meinen Großeltern wofür ich eigentlich gekommen war, das bereue ich nun so sehr, dass ich mich am liebsten selber schlagen würde. Nach dem Abflug, bei dem ich im Streit mit meiner Oma auseinanderging, wurde meine Oma sehr krank, Magenkrebs. Ich rief sie an, schrieb ihr eine lange Nachricht, es tat so weh. Doch wie durch ein Wunder, überlebte sie die OP und ist gesund. Nun jedoch mein Opa: Er kam heute früh ins Krankenhaus, die Leber hatte metastasiert und dass obwohl die Ärztin eine Woche zuvor sagte, dass mein Opa, da der Tumor eingekapselt war, ca. fünf bis sieben Jahre hat. Abgesehen davon, hat sich durch eine Blasenentzündung eine Superinfektion gebildet, und das hoch zur Lunge. Mit anderen Worten: Er wird sterben. Wenn er die Infektion übersteht, stirbt er bald an dem Krebs. Ansonsten stirbt er an der Infektion. Ich erfuhr diese Nachricht, als ich quasi noch im Wald spazieren war. Mein Freund muss am Montag in die Tagesklinik, er ist dadurch sehr launisch und regt sich schnell auf. Es regnete (bringt mir immer Pech) und hagelte aus Kübeln, bei mir ist heute auch noch wieder eine fette Erkältung ausgebrochen, das war natürlich nicht besonders das passenste Wetter. Meine Ausbildung läuft schlecht, weil durch den Tod meiner Cousine, der Krankheit meines Hundes, meiner Nervenkrankheit und einer wirklich schlimmen persönlichen Erfahrung alles durcheinander geraten ist. Wie soll man sich bei so viel konzentrieren? Ich habe nicht einmal eine Therapeutin und auch nicht die Kraft mehr, überall anzurufen, nur um zu hören, dass keiner einen Termin hat. Ich habe alles mit mir selbst ausgetragen, ich kann einfach nicht mehr. Das sage ich auch seit Monaten, aber ich muss weiter. Niemand versteht mich, überall muss ich mich rechtfertigen, selbst der Zahnarzt hat mich richtig angemault, weil ich am Freitag nach der Arbeit so starke Zahnschmerzen bekam und zu ihm musste. Da ich direkt von der Arbeit dorthin kam, weil der Arzt in fünf Minuten schloss, hatte ich die Gummistiefel vom Hundeplatz noch an, und dadurch verteilte ich, ohne es zu merken, weil ich so fertig war überall meinen Matsch. Er maulte mich an, schon zurecht, und ich erklärte ihm, dass ich direkt von der Arbeit kam und es nicht gemerkt hatte. Er sagte nur, ich hätte immer was in meinem Leben, was denn nur los bei mir sei. Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr weiter weiß, es mir leid tut, aber ich einfach nicht mehr kann und mich alles nur noch fertig macht. Er war einfach nur sauer und beachtete das nicht.

Aber zurück zu meinem Opa: Ich laß die SMS von meiner Ma, wir sollen schnell nach Hause, sie mag nicht alleine sein, mein Opa wäre ins Krankenhaus gekommen. Ich fuhr so schnell ich konnte, übersah sogar eine rote Ampel; zuhause angekommen, berichtete mir meine Mutter von dem was passiert war. Ich konnte nicht weinen, ich sprach normal, obwohl mein Innerstes am liebsten gestorben wäre. Dieser miese Eisblock, ich dachte er wäre komplett weg, doch wenn es um sowas geht, vor anderen, kann ich wieder stark sein, scheinbar. Nur bin ich weder stark, noch taff. Ich bin einfach ein Wrack, was darauf wartet unterzugehen. Alles läuft schief. Ich versuche Positives zu sehen und sehe es auch, erfreue mich daran, wie beim Bundestreffen. Doch dann geschieht wieder etwas Furchtbares und wirft mich völlig aus der Bahn. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr; ich will, dass das alles aufhört und ich ein normales Leben führen kann. Der Monat März ist ein verflixter Monat. Erst starb im März ein guter Bekannter, der erste, den ich mochte, der starb. Eine Woche später starb mein Lieblingsonkel, mit dem ich durch einen dummen wirklich dämlichen Streit auch nicht mehr so eng war. Letztes Jahr starb dann meine Cousine, einfach so, plötzlich an einer Lungenembolie. Mein Hund wurde krank, jedoch lief das Gott sei Dank gut, er ist zwar wie ein Bluter, aber der Tumor war gutartig; mein Geburtstag ist im März und nun ist mein Opa so schwer krank und wird sterben. Ich hasse diesen Monat und habe mir fest vorgenommen, nie wieder meinen Geburtstag zu feiern, ich will nicht einmal mehr, dass jemand diesen erwähnt. Ich werde sobald ich in der Verfassung bin, meinen Geburtstag aus Facebook löschen, ich will das einfach nicht mehr. Ich bin ein positiv denkender Mensch, das sagen meine Freunde auch immer. Ich finde immer aufmunternde Worte, freue mich über die Sonne, den Schnee, den Marienkäfer, ein Lächeln und Lachen. Ich laufe durchs Leben als wäre ich ein kleines Kind, wie andere es immer sagen. „Wie kannst du nur so positiv denken?“, „Du freust dich echt über jeden Scheiß oder?“, „Wenn ich falle, nennst du es Glück weil ich nur eine Beule habe?“, sowas bekomme ich immer zu hören. Jedoch kann ich nicht mehr. Jetzt ist die Zeit,  an der die immer lachende, fröhliche Melly nicht mehr kann. Sie steht auf, ist motiviert, doch dann erschlägt sie wieder was. Beine, Arme sind wie gebrochen, ich kann nicht mehr stehen, ich will nicht mehr stehen. Es ist Selbsthass was ich verspüre, weil ich scheinbar nicht merke was ich habe, erst wenn die Personen weg sind. Ich habe nicht viel Familie. In Deutschland folgt nach meiner Ma meine 70 jährige Tante. Es werden alle nacheinander sterben, das ertrage ich nicht. Ich bin allein. Versteht mich nicht falsch, mein Freund ist ein wirklich guter Mensch, er ist immer für mich da, fährt fast jeden Tag 28 km mit dem Fahrrad bis zu mir. Ich liebe ihn und er liebt mich, doch kann er selbst nicht mehr. Er merkt dadurch auch nicht wie verletzt und kaputt ich bin. Und ich kann es ihm nicht verübeln, weil es ihm selbst sehr schlecht geht und ich mir wünsche, dass er sich nach so langer Zeit um sich selbst kümmert, sodass er ein schönes glückliches Leben führen kann und den Klotz am Bein, den ich ihm beschere, nicht mit sich rumtragen muss.

Ich bin wieder depressiv, das merke ich daran, dass ich oft plötzlich „grundlos“ weine, mich nicht mehr zusammenreißen kann. Das sage und tue was andere hören wollen. Teilnahms- und lustlos bin.  Beim Bundestreffen hat mich einer angesprochen und meinte, dass er es so krass findet, wie ich mich trotz allem wieder aufrappel und das Positive sehe. Jetzt, bin ich an einem Punkt, an dem ich es nicht mehr kann.

Ich bin motiviert gewesen, wollte die Gruppe besser strukturieren, meinen Youtube-Kanal erstellen. Doch nun, weiß ich nicht mehr weiter. Ich werde das noch tun. Aber ich fühle mich so schrecklich allein, so ekelhaft und abscheulich. Ich fühle mich so Fehl am Platz und so hässlich. Ich habe keine Selbstmordgedanken, aber ich hasse mich abgrundtief, so sehr wie noch nie. Es war alles gut, jetzt ist wieder alles schlecht. Ich überlegte umzuziehen da in der Nähe zum Harz; wenn ich nach Hause komme, ist es wie ein Fluch, doch finanziell ist das einfach nicht drin, und will ich das wirklich auch?

Ich bin eine Macherin, habe tausend Ideen und Zukunftsträume, doch nun bin ich wie gelähmt. Mir fehlt ein bester Freund und nicht diese lustigen Partyfreunde, die ich habe. Mir fehlt jemand, mit dem ich alles kann: Lachen, weinen, verzweifeln und hoffen. Dadurch dass ich jedoch als seelisches Experiment benutzt wurde (darüber schreibe ich wann anders), kann ich niemandem mehr trauen. Aber es hat sich auch nicht die Möglichkeit ergeben, wem zu trauen so richtig.  Beim Bundestreffen wurde gefragt: Wenn ich ein Tier wäre, welches wäre ich? Meine Antwort war: Ein einsamer Wolf, aber manchmal auch eine Hyäne. Vielleicht ist das der Grund wieso mich Wölfe immer so interessiert haben. Eine Hyäne ist eins der sozialsten Tiere, die ich kenne. Für Rudelmitglieder würde sie sterben, und so bin ich auch. Ein Wolf zieht sich zurück, wenn es ihm schlecht geht, um sein Rudel nicht zu gefährden. Er streift dann allein umher, so bin ich auch….

Melly

Autor*in: Melly

Mein Name ist Melly und ich bin 23 Jahre alt. Ursprünglich bin ich durch meine Depressionen, vor allem durch starkes Mobbing ausgelöst, in die Selbsthilfe gekommen. Therapieplätze sind rar und zeitmäßig selten. Alle ein bis drei Monate eine Sitzung bringen reichlich wenig, vor allem wenn man erstmal zwei Jahre auf einen Platz warten muss. Hätte ich damals gewusst, dass es Selbsthilfegruppen gibt, wäre ich sofort beigetreten, daher ist es mir so wichtig, dass mehr Menschen erfahren, dass es sowas gibt und man sich einfach und kostenlos Hilfe suchen kann.

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