Ich würde versuchen ein aktuelles Thema zu nutzen, das ganz gut aufzeigen kann, wie eigene Fehler und Fehler von anderen ein Kartenhaus (Hoffnung) aufbauen können, das am Ende nur zusammenfallen kann.

Hoffnung die Erste

Ich habe mich letztes Jahr im Oktober bei einer Schule beworben, für eine Ausbildung zum Cross Media Designer, da ich in der Reha Abteilung der Agentur für Arbeit gerade drin bin, hat mir meine Reha Beraterin vorgeschlagen, ich könne das auf dem Weg der Umschulung machen und die Ausbildung würde dadurch auch bezahlt werden, da sie unter die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben fallen wird.

Einige Zeit davor hatte ich mich in der Reha Abteilung für eine Maßnahme „beworben“, eine Maßnahme, die mir als “erste” Maßnahme verkauft wurde. – mittlerweile verstehe ich, dass mit “erste Maßnahme” nicht die Reihenfolge, sondern die kleinste Form der Maßnahme gemeint war, aber gut ich verstehe manchmal alles wörtlich, hier der erste Fehler.

Demnach musste ich dann in einem Reha Zentrum, welches für berufliche Reha ausgelegt ist und diese eine Maßnahme anbietet, ein Abklärungsgespräch machen, damit der Start der 3 monatigen Maßnahme festgelegt werden konnte.

Das erste Gespräch lief super, der Start der Maßnahme wurde mir für den Februar zugesichert und ich habe mich extrem darüber gefreut. Leider hat sich dann aber kurze Zeit später das Absetzen meiner Medikamente gerächt und ich musste nochmal in die Klinik für 2 Wochen zur Krisenintervention, da ich aufgrund meiner Traumafolgestörung und ohne Einnahme des Medikaments in enorme Angst und Panikschleifen abgerutscht bin und ich eines Nachts sogar die Polizei rufen musste, da ich geglaubt habe, mich wollte jemand umbringen. Todesangst ist nicht gerade das geilste Gefühl.

Nach Ansetzen meines alten Medikaments, wurde ich wieder stabiler, aber dennoch mit einer depressiven Episode aus der Klinik entlassen, was vollkommen in Ordnung war, da sich die depressive Phase bereits in den Endzügen befand und nur aufgrund der Stressreaktion, die das Absetzen zur Folge hatte ausgelöst wurde.

Ich hatte dann noch ein Gespräch danach mit meiner Reha Beraterin von der Agentur für Arbeit, allerdings hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl, die Angst war irgendwie immer noch oft präsent und ich hatte natürlich Sorge, ich würde alles was ich mir vorgenommen habe nicht schaffen und meine Pläne würden ins Wasser fallen.

Was jetzt?

Also ging es zu einem neuen Abklärungsgespräch, allerdings ging es mir am Tag des Gesprächs wieder sehr gut (was sich seitdem gehalten hat).

Das Gespräch lief überhaupt nicht gut, die Mitarbeiterin behandelte mich von oben herab, Aussagen wie: “Sie müssen meine Fragen nicht verstehen, Sie sollen nur Antworten” oder “Alles was ich frage ist wichtig, auch wenn Sie das nicht verstehen” musste ich über mich ergehen lassen.
Der Vibe den sie mir gegenüber hatte war schlicht und ergreifend einfach beschissen, ich war demnach auch super genervt und empfand die Situation mehr als respektlos, wodurch ich natürlich auch nicht mehr meine “super freundliche Stimme” unter Kontrolle hatte. Also waren einige meiner Antworten patzig und genervt, was in meinen Augen komplett normal ist.

Laut ihrer Aussage, sei ich zu instabil, da ich keinen Therapeuten habe, mein ADHS nicht medikamentös eingestellt ist und ich keine gute und abwechslungsreiche Tagesstruktur habe, so wurde also der Start auf den April verschoben und ein Plan für die darauffolgenden Schritte erarbeitet.


Der Plan besagte eben die 3 monatige Maßnahme und darauf folgend eine 6 monatige Berufsvorbereitung um nahtlos im April 2025 in die Umschulung zu wechseln, welche ich mir ausgesucht hatte.

Nicht mal zwei Wochen später hatte ich mein neues ADHS Medikament und es wirkte super – tut es bis heute.

Ich war auf Therapeutensuche, die sich ohne große Überraschung als sehr schwierig herausgestellt hatte.

Gefühlt tausende Therapeuten nehmen keine neuen Patienten, wiederum 8 andere haben mich entweder am Telefon aufgrund meiner Diagnosen oder direkt nach dem ersten Gespräch abgelehnt.

Ich habe dort angerufen und ihnen die Situation geschildert, das es fast unmöglich ist innerhalb von 2 Monaten einen Therapeuten zu finden, zumal ich sogar bei der Krankenkasse noch gesperrt war und die potentiellen Therapeuten dann erst mal noch Kapazitäten haben müssen um mich irgendwie zu begutachten um der Krankenkasse zu rechtfertigen, warum die Sperre vorzeitig aufgehoben werden soll.

So wurde mir am Telefon zugesichert, wenn ich weiterhin auf der Therapeutensuche bin, könnte ich wie geplant im April beginnen, ich solle nochmal für ein Gespräch anrufen.

 

3 Wochen versuche ich jemanden zu erreichen, nur um dann zu vergessen, in der Teambesprechung darüber zu sprechen, wann ich einen Termin bekomme.

Irgendwann nach Ewigkeiten dann eine Rückmeldung bekommen. Ich sollte am 22.04. zum Abklärungsgespräch 3 kommen. Wait? Ich sollte doch im April mit der Maßnahme starten? – Naja hab ich gedacht, mal wieder etwas wörtlich genommen, weil es mir gesagt worden ist und ich stelle mir die Frage, ob das mein Fehler ist oder der Fehler der Mitarbeiterin, die sagte: ”Dann starten Sie wie geplant im April mit der Maßnahme“.

Einen Therapeuten habe ich dann irgendwann auch gefunden und es hat wie durch ein Wunder sogar gematcht und er kann genau auch die Therapieform, die mir in der Klinik das erste Mal geholfen hat.

Leider war das Problem, dass sich natürlich eine gesunde und abwechslungsreiche Tagesstruktur als komplette Mammutaufgabe herausgestellt hat.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich hätte keine Mission, nichts, auf das ich hinarbeite oder auf das ich mich freuen kann – nicht im Sinne von Depressionen, vielmehr die tatsächliche Aufgabe im Leben.

Alleine die finanziellen Mittel haben die Möglichkeiten einer Tagesstruktur enorm geschmälert, es hat nichts wirklich Spaß gemacht auf Dauer, was ich tun konnte.

Also verharrte ich in eine Art Autopilot Modus, in dem ich mich emotional oft abgeschaltet habe, nichts großartig gemacht habe das irgendeine Art von starkem Reiz oder Emotion auslösen konnte, einfach weil ich zu große Angst davor hatte, das irgendwas schief gehen wird. Also wurden ich, meine Handlungen und meine Gefühlswelt auf Sparflamme-Modus eingestellt.

Auf ein Neues…

Als dann endlich das lang ersehnte Gespräch Nummer 3 war, konnte ich es kaum erwarten, aber ein kleiner Spoiler Alarm – es war noch schlimmer als das zweite.

Eine der ersten Sachen, die mir gesagt wurden, war ein dummer Witz auf meine Kosten, der wahrscheinlich die Stimmung lockern, oder das Eis brechen sollte.

Das sehen wir auch nicht alle Tage, dass jemand 3 mal zu einem Abklärungsgespräch kommt.“ „HAHAHA“.

Diesen Witz habe ich ganz schnell von mir abgeschüttelt, immerhin bin ich auch nicht der Beste in ICE-Breaker Witzen und konnte das dann nochmal verzeihen.

Es wurden exakt die gleichen Fragen gestellt wie in den Gesprächen davor, abgesehen davon wurde ich gefragt, warum das letzte Gespräch so doof auseinander gegangen ist, ich habe das auch erklärt, wobei mir Verständnis zugesprochen wurde.

Meinte dann noch am Ende der Erklärung, dass man es an meiner Stimme halt dann auch hören kann, wenn ich verletzt und gekränkt bin.

In ihrem Gesicht sieht man das aber auch ganz gut, also das müssen Sie noch lernen, unter Kontrolle zu haben.” – “Ich habe halt kein Pokerface“, sagte ich dann. “Wenn Sie irgendwann arbeiten sollten und Ihr Chef was sagt, was Ihnen nicht passt, müssen Sie sich aber unter Kontrolle haben!”

Ich sagte dann, dass ich Jahre gebraucht habe um meine Emotionen spüren zu lernen und diese auch nach außen zu zeigen und ich das ganz bestimmt nicht abstellen lasse und so tue als ob alles super in Ordnung wäre. Sie meinte dann nur, dass ich lernen soll, das Pokerface an und abzuschalten, dann wenn ich es brauche. Als ich ihr dann entgegnet habe, dass es nicht mein Problem ist, wenn mein Chef nicht damit klarkommen sollte wenn ich ne Fresse ziehe weil er irgendeine Scheiße von sich gibt die man “runter schlucken” soll, sondern das es sein Problem ist und ich dann ganz bestimmt nicht für jemanden arbeiten möchte, der sich von einer gerechtfertigten Mimik in seiner Machtposition bedroht sieht. Daraufhin sagte sie nichts mehr.

Um das ganze mal abzukürzen, kamen noch ganz andere abstruse, respektlose und herablassende Kommentare. Hier zwei meiner Greatest Hits:

  • Seien Sie doch froh das sie jetzt noch nicht arbeiten müssen, Sie werden bestimmt bis 70 arbeiten müssen”
  • Nutzen Sie doch die Zeit die sie haben, sie sind ja noch jung”

 

Bla Bla Bla hier und dort, jetzt machen sich die ganzen Fehler auf den Weg aufs Dach, um sich allesamt runter zu stürzen, um das Kartenhaus vollends in sich zusammenfallen zu lassen.

Es stellte sich nämlich auf einmal heraus, dass meine geplante Umschulung gar nicht im April startet, wie es mir in den letzten beiden Gesprächen zugesichert worden ist. Als ich dann gefragt habe, warum Fehlinformationen weitergeleitet werden, wurde mir nur gesagt, dass es keine Fehlinformationen sind, sondern sie alles nur im besten Wissen und Gewissen sagen. – Alles klar Sherlock, wenn man keine Ahnung hat, informiert man sich eigentlich, wenn man nichts weiß ist es kein “bestes Wissen”, sondern Bullshit.

 

Das ich die Umschulung in diesem Jahr im Oktober machen kann, stand für die Mitarbeiterinnen außer Frage, die Antwort: „Schaffen wir nicht“, hat mich dann natürlich auch nochmal genervt, weil mir dann der Plan präsentiert worden ist, dass ich doch nächstes Jahr im Oktober die Umschulung machen kann, also 2 Jahre nachdem ich mich schon regulär beworben hatte.

Das hat mich natürlich extrem genervt und ich war enttäuscht, das konnte man auch in meinem NichtPokerface sehen können, und da wir ja bereits darüber gesprochen hatten, dass ich lernen soll mich im „Griff zu haben“ habe ich nichts mehr gesagt außer „Ok, mhmm“ – habe dann aber auch gesagt das ich enorm enttäuscht bin, weil mir da Hoffnungen gemacht werden und sich alles so weit verschiebt, dass ich ewig warten muss bis die Umschulung starten kann.

„Mit der Schwere ihrer Erkrankung können Sie froh sein, dass es solche Angebote gibt“, ja klar, sie kann das auch beurteilen. Ich meine natürlich ich habe ADHS, Borderline und PTBS, aber sie hat keinerlei Expertise zu beurteilen, wie schwerwiegend krank ich bin, geschweige denn beurteilen ob ich stabil bin oder nicht.

Weil ich solle ja auch nicht so viel erzählen wie es mir geht, wobei ich mir dachte, ich soll doch erzählen wie es mir geht, wie es läuft, damit sie schauen können wie es mir geht, als ich gefragt habe: „Soll ich dann lügen oder was?“, wurde nur damit entgegnet ich müsse ja nicht alles sagen, das wäre ja dann keine Lüge, sondern etwas zurückhalten. Hä???

 

Ich bin immer noch genervt und enttäuscht, wenn ich nur darüber nachdenke, weil ich mir vorkam wie auf dem Silbertablett präsentiert, wo ich auf Grundlage meiner Diagnosen vorverurteilt werde, in dem was ich kann und was ich darf oder eben nicht.

Ich habe dann auch sehr offen gesagt, dass ich enttäuscht bin, weil mir ganz andere Dinge gesagt und auch zugesichert worden sind.

Da werde ich noch blöd gefragt, ob ich den Plan nochmal hören will?, ich meine ich bin ja enttäuscht aufgrund des neuen Plans, aber verstehen sie ja nicht.

„Genießen sie einfach noch die Zeit die Sie haben, seien sie froh das Sie jetzt noch ein bisschen Zeit haben“, wo ich mir denke, wie wenig wollt ihr denn verstehen, dass die Zeit genau das Problem ist? Wie soll ich eine tolle, ausgewogene Tagesstruktur erarbeiten und leben, wenn ich keinerlei Möglichkeiten habe meine Zeit auch im vollem Umfang zu nutzen? Ich habe 80% mehr Zeit als finanzielle Mittel, wobei ich nicht undankbar klingen will, was manch einer genauso auslegen würde.

Plan Z 3.90 V

Ich bin dankbar, Geld zu haben um zu überleben, mir kaum Gedanken darüber machen müssen, ob ich meine Miete zahlen kann, aber wenn ich nichts zu tun habe, dann sorry, wie soll ich das genießen?

Als das Gespräch beendet wurde kam der letzte Seitenhieb einer der Mitarbeiterinnen: „Verdauen Sie das Gespräch einfach und wir sind ja nicht Schuld, das Sie die Medikamente abgesetzt haben und deswegen in der Klinik waren“.

Danke dafür.

Mittlerweile habe ich es geschafft aus diesem Autopiloten herauszukommen, bin auch gerade dabei meine ganzen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, die Ausbildung in diesem Jahr noch zu machen.

Mir ist nämlich aufgefallen, dass der erste „Fehler“ der war, mich für die „erste“ Maßnahme zu bewerben, weil ich dachte diese muss als erstes gemacht werden, allerdings stimmt das wohl nicht so ganz.

Ich habe mich nämlich nochmal für die Umschulung informiert, welche Dinge als Zulassungsvoraussetzung gelten und diese Maßnahme ist mit keinem Wort formuliert worden. Vielleicht verstehe ich mal wieder zu wörtlich, aber ich werde es versuchen, ich weiß was ich will und ich werde alles dafür tun das auch zu schaffen.

Wenn sich herausstellen sollte, dass ich wirklich bis nächstes Jahr warten muss, ist es halt so, dann werde ich diese Unzufriedenheit und meinen Ärger als Antrieb benutzen, so wie ich es jetzt gerade tue, um die Ausbildungsinhalte bzw die Programme welche wir nutzen werden, zuhause schon zu lernen.

Ich habe nämlich das Privileg, dass ich durch mein Projekt mit meinem Selbsthilfegruppenleiter, alle Programme zu Verfügung gestellt bekommen habe.

 

Also was für mich jetzt anstehen wird, ist alles zu tun, was mir Menschen möglich ist und sollte es nicht klappen wie ich will, den Kopf nicht mehr in den Sand zu stecken und lernen damit umzugehen, wenn ich weiter warten muss.

Ich meine das Fehlerkartenhaus ist schon zusammengefallen und jetzt dann wieder die Wände hochzuziehen wäre der fatalste Fehler und wäre die Definition von Wahnsinn, die selben Dinge wieder zu tun.

Autor*in: Blue

Das wird ein Kampf, ein Kampf um meine Gesundheit, ein Kampf um eine glückliche Zukunft und ein zufriedenes Leben. Diesen Kampf kämpfe ich gerne... zumindest die meiste Zeit.

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