Triggerwarnung:
In diesem Text geht es um die Verarbeitung einer toxischen Freundschaft, Abhängigkeit und psychische Erkrankungen.
Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.

 

Kleine Info vorab, ich berichte in diesem Blogbeitrag von meiner persönlichen Sicht in einer freundschaftlichen Beziehung. Mit diesem Beitrag habe ich meine persönlichen Gedanken und Gefühle niedergeschrieben und sollte nicht als Angriff auf die jeweilige Person missverstanden werden. Der Beitrag wurde in einem recht emotionalen Moment verfasst, somit ist er ziemlich persönlich. 

Ich möchte auf keinen Fall, dass mit diesem Beitrag Menschen mit psychischen Problemen in Beziehungen oder Freundschaften pauschalisiert werden. Jede zwischenmenschliche Beziehung hat Höhen und Tiefen, jeder Mensch hat seine Probleme die er mitbringt (ob „krank“ oder „gesund“). 

Der Beitrag sollte auch nicht als Anleitung oder ähnliches interpretiert werden, es ist lediglich mein Verarbeitungsprozess mit einer toxischen Freundschaft.

Wir haben uns zu einer Zeit kennengelernt in der es uns beiden nicht gerade besonders gut ging. Ich war noch voller Ängste, hatte starke Stimmungsschwankungen und eine schwere Depression. Da es uns ähnlich ging und wir viele Gemeinsamkeiten hatten und vieles beim anderen nachvollziehen konnten haben wir uns auf anhieb verstanden.

Wir haben schnell viel gemeinsam gemacht, auch wenn es meist nur reden war. So wuchs unsere Verbundenheit, Verbundenheit durch Krankheit. Rückblickend war es nichts mehr als das. Ich versuche mir mal nicht nur alles schön zu reden und mir einzureden, dass die schönen Momente die wir hatten überwiegen, wir wollen ja aus alten Mustern ausbrechen, neue Wege gehen.

Schnell sind wir blind in eine Abhängigkeit gerutscht, auch wenn du das nicht sehen kannst/willst. Du verstehst nicht wie weitreichend eine abhängige Beziehung ist. Du hängst dich immer wieder an der Situation auf, in der wir eins unserer ersten Gespräche hatten. Da ging es darum, dass ich nicht mehr richtig auf meine Bedürfnisse achte wenn es darum geht das wir uns treffen. Aber das ist nicht die einzige Nuance der Abhängigkeit. Sie umfasst so viel mehr. Wir sind emotional abhängig voneinander. Ich meine wenn es uns nur besser geht wenn wir uns sehen und wir sogar ignorieren das es viele Momente gibt, in denen es uns schlecht geht und wir uns einreden, dass es ja nur selten ist und uns es sonst ja immer besser geht. Es ändert nichts an der Tatsache, dass du mich in vielen Momenten wenn es dir schlecht geht wie Dreck behandelst. Ich kann nichts dafür wenn alles was ich sage irgendwas in dir triggert.

Es ist nicht meine Aufgabe mir alles fünf mal zu überlegen ob ich etwas ansprechen kann oder zu überlegen es zu lassen weil du sonst die Kontrolle verlierst und in irgendwelche Filme abrutschst und mich dann wieder anmaulst. Es liegt in deiner Verantwortung achtsamer zu werden, deine Therapie so zu nutzen, damit solche Momente nicht immer wieder kommen. Wenn du andere Prioritäten haben solltest ist das in Ordnung, aber dann ist es auch meine Priorität mich vor solchen Momenten zu schützen.

Wenn ich mal beim Thema Abhängigkeit bleibe. Wenn wir es nur schaffen etwas zu unternehmen oder generell etwas zu tun wenn wir uns sehen, dann spricht das wohl auch nicht für eine gesunde Freundschaft bzw ein gesundes und unabhängiges Ich.

Du weißt was ich für ein Problem mit Abhängigkeit habe, nicht nur Stoffgebunden sondern auch zwischenmenschliche Abhängigkeit, du kennst meine Geschichte.

Immer wenn es dir schlecht geht, bringe ich so viel Verständnis auf und unterstütze dich so weit wie ich kann, sogar oft genug mehr als ich sollte. Ich sollte nicht deine Ressource sein die du nutzt wenn es dir schlecht geht. Deine Therapie die du laut deiner Aussage besser nutzt als ich sollte deine Ressource sein. Ich weiß ganz genau wie schwer es ist Skills anzuwenden und wie schwer es ist keine destruktiven Verhaltensweisen zu nutzen, es ist verdammt schwer. Aber ICH BIN NICHT DEIN SKILL!

Geht es mir mal schlecht wie zum Beispiel wenn ich einen Schub habe (den du mindestens 10x öfter hast als ich) bist du die erste die wegrennt weil du überfordert bist und mich alleine stehen lässt. Hast du einen Schub gebe ich mein mir bestes mögliche dir zu helfen, rate dir was du tun kannst biete dir Perspektivwechsel an die nicht von dieser Welt sind. Aber brauche ich in solchen Momenten vielleicht auch so etwas? Das ist dir egal, du bist die erste die geschützt werden muss und wegrennt.

Hast du dich nicht aufgeregt über diesen Satz? Ich muss mich selbst schützen? Der kam nicht von mir. Aber du regst dich darüber auf aber im Endeffekt bist du haargenau so.

Der letzte große Schub den du hattest, ist nicht lange her. Du hast mir angeboten mich eine Zeit von dir zu distanzieren, hast mir sogar ein Zeitfenster genannt. Du hast mir den Strohhalm hingehalten, einen Strohhalm den du nicht aushalten kannst. Am Ende durfte ich mir anhören, das ich ja so lange den Kontakt pausieren wollte, obwohl ich nur angenommen habe was du mir angeboten hast.

Da hast du auch direkt einen Schub bekommen nachdem ich in dein Angebot eingewilligt habe.

Ich habe dich bei so vielen Dingen in deinem Leben unterstützt, sei es das ich mir dein ganzes WG Drama angehört habe, dir Möglichkeiten und Wege offengelegt habe die du nutzen könnte. In den ich dir täglich mehrere Perspektivwechsel angeboten habe damit du nicht direkt ins nächste Loch abrutschst. Habe dir bei der Job und Wohnungssuche geholfen. Habe deine Wohnung auf den Millimeter genau ausgemessen und geplant. Habe so viel Energie reingesteckt, wofür du dich auch bedankt hast keine Frage. Aber wenn es dann mal wieder um mich ging?

Zum Beispiel als ich den ersten Job kündigen wollte den ich bekommen habe, weil ich nach 2 Wochen bemerkt hatte das es mir keinen Spaß macht? Da musste ich mich so oft erklären, damit DU es nachvollziehen kannst. Es ist meine Entscheidung gewesen in meinem Leben, es hat dein Leben in keinster Weise beeinflusst. Du musstest es nicht nachvollziehen können.

Oder das ich mir anhören musste ich würde meine Therapie nicht nutzen? Mir geht es besser, dir? Ich weiß wie weit ich Therapie brauche und wie weit ich ambulant aktuell komme. Und es ist die richtige Entscheidung die Klinik abzuwarten und dann im Anschluss ambulant weiterzumachen. Auch das musste ich dir haarbreit erklären. Anstatt zu akzeptieren oder vertraue darin zu haben das ich die richtigen Entscheidungen für mein Leben treffe, ich bin auch impulsiv, aber Lebenswichtige Entscheidungen denke ich kaputt bis alles so passt wie es muss und das weißt du.

Ich nutze meine Ressourcen die ich bekomme, meine Möglichkeiten, ich breche keine therapeutische Arbeitstherapie ab weil meine Lieblings Arbeitstherapeutin weggeht. Es geht um deine Zukunft! Wenn ich dir jetzt vorwerfen würde, dass du dich von allen Menschen in deinem Leben abhängig machst dann würdest du das ja auch nicht sehen, also deute ich es nur an.

Ich bin mir eh sicher das du das nicht lesen wirst. Ich weiß es ist nicht der richtige Zeitpunkt dir das zu sagen, ich muss den richtigen Moment abwarten. Aber bis dahin werde ich dir nichts vorheucheln, ich werde dein erneutes Angebot mir Zeit für mich zu nehmen so weit nutzen bis ich bereit bin.

Irgendwo haben wir uns in unserer Entwicklung entfernt. Ich bin stabiler als ich es je in meinem Leben war. Und du stehst fast an der selben Stelle wie da als wir uns kennengelernt haben. Du entwickelst dich nicht weiter, du lernst nichts dazu und ich leide unter unserer Freundschaft.

Jetzt habe ich wieder eine depressive Phase, das hab ich dir vor einigen Tagen schon gesagt. Dann habe ich dir eine Nachricht morgens geschrieben, nichts weltbewegendes, es war schlicht ein „Guten Morgen, wie hast du geschlafen?“. Das ich mich fast 4 Stunden überwinden musste dir überhaupt zu schreiben, weil es mir so schlecht ging, wusstest du nicht. Aber ich wusste, würde ich nicht schreiben, dann würdest du dir wieder Sorgen machen und mich erdrücken.

Also habe ich geschrieben, ganz einfach, ohne Smileys ohne Schnick Schnack. Das war der Fehler, du hast sofort gedacht du hättest wieder irgendwas falsch gemacht und seist Schuld an allem, dann kam von mir: “Ich habe dir doch schon gesagt das ich wieder eine depressive Phase habe, es hat wirklich nichts mir dir zu tun, mir geht es grade einfach nicht gut“. Das war offensichtlich wieder zu viel für dich. Weil dann durfte ich mir anhören ich würde meine Depression an dir auslassen. HÄ? Bin ich blind oder einfach nur dumm? Aber wo, wo zum Teufel habe ich meine Depression an dir ausgelassen? Achso ich habe meine Gefühle geäußert, sorry mein Fehler.

Ich werde wieder wütend wenn ich an diese Situation denke, weil du WIEDER deinen Schub an mir ausgelassen hast. Ich weiß nicht was es in dir getriggert hat als ich dir gesagt habe das ich Depressionen habe. Oder war es das so starke Wort „schon“? Tut mir leid, das so kleine Worte dich impulsiv werden lassen. Nein viel mehr tue ich mir mittlerweile selbst leid.

Wo bin ich falsch abgebogen, das ich mich wie scheiße behandeln lasse?

Mir egal, wo und wann das passiert ist, ich gehe jetzt ganz weit zurück und nehme einen anderen Weg, den so beliebten NEUEN WEG.

Ich löse mich von dir und deiner giftigen Art, du kannst vielleicht nichts dazu das du so geworden bist oder das du solche Anteile hast, aber wenn du nichts änderst dann kannst du sehr wohl was dafür, dass du nach wie vor so bist.

Also das wars, auch wenn du das erst später weißt, aber ich muss mich im Innern erst lösen bevor ich wieder einknicke. Das kann und will ich mir nicht erlauben. Ich erlaube mir endlich mal an erster Stelle zu stehen in meinem Leben. Und anders sollte das nicht sein.

Gastbeitrag von: Wintersonne

Autor*in: Gastautor*in

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