Fehler sind menschlich. Jeder macht mal Fehler. Fehler gehören dazu. 

Und so weiter, und so fort. Kluge Zitate zum Thema Fehler gibt es zuhauf. Selbst mein nicht vorhandener Wandkalender weiß mir die ein oder andere Weisheit ins Bewusstsein zu drücken. Gefühlt kenne ich alle Sprüche zum Thema Fehler, weiß diese mir in Situationen, in denen ich Fehler gemacht habe, gebetsmühlenartig in meinem Kopf zu wiederholen und dennoch fühlt es sich immer wieder so verdammt unangenehm an, Fehler zu machen. Beinahe so, als ob ich als Ganzes gescheitert bin. In Allem was mich ausmacht und wer ich bin. Als Mensch. Als Person. Als Individuum.
Gründe für diese Glaubenssätze und toxische Muster gibt es einige. Zum einen wäre da natürlich die strenge Erziehung der russischen Eltern, zum anderen die Last als Einzelkind es diesen in allen Punkten recht machen zu wollen bzw. zu müssen und natürlich nicht zu vergessen der permanente Druck als Migrant in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem selbst die kleinsten Fehler einen Rattenschwanz an Ausgrenzungserfahrungen nach sich ziehen. Einen stellvertretend für eine ganze Nation brandmarken. An einem die eigenen Vorurteile bestätigt finden. Auch wenn diese nichts mit den “Fehlern” die man gemacht hat, zu tun haben. Es reicht, dass es von der Norm abweicht.
All diese Erfahrungen, all diese Last führt letztendlich dazu, dass ich das Gefühl habe, in allem was ich tue, perfekt sein zu wollen. Perfekt sein zu müssen. Ein hohes Ziel. Viel zu hoch. Geradezu utopisch. Nicht erreichbar. Vor allem aber, unglaublich frustrierend und ein Garant, um konsequent unglücklich zu sein, zu werden und zu bleiben.
Wie aber diesen endlosen Kreis an permanenter Selbstgeißelung durchbrechen? Ich werde niemals in allem perfekt sein können und wenn ich mich vor Erfahrungen verschließe, nur aus der Angst heraus, Fehler zu machen und nicht perfekt zu sein, lebe ich ein Leben, das ich nur ungern führe und das mit dem Wort Leben nicht mehr viel zu tun hat.
Ein Patentrezept dafür habe ich bisher noch nicht gefunden. Aber das muss ich auch nicht. Wenn ich den Anspruch hätte, einen einzigen Plan zu finden, der auf alle Situationen anwendbar wäre, würde ich doch wieder versuchen, perfekt sein zu wollen und zwangsweise scheitern. Genau hier liegt glaube ich auch die Lösung für mich, was mich angeht.
Es muss kein Masterplan internalisiert werden, der jede Situation abdeckt. Auch müssen nicht bei allen Fehlern, die ich mache, die Kalendersprüche wie ein Mantra wiederholt werden. Manchmal ist es einfach scheiße, Fehler zu machen und es ist auch total OK sich deswegen scheiße zu fühlen. Solange es nicht überhand nimmt und ich mich nur noch scheiße fühle, ist doch nichts dabei.

Sich scheiße fühlen ist menschlich. Jeder fühlt ich mal scheiße. Sich scheiße fühlen gehört dazu.
Und das ist auch vollkommen OK!

(Das Beitragsbild wurde mithilfe der Grafikdesign-Plattform Canva erstellt)

Autor*in: Bossi

Ich möchte meine eigene Gruppe etwas anders angehen und die üblichen Runden einer Selbsthilfegruppe mit ein paar innovativen Methoden etwas beleben. Über eben diesen Einsatz von Methoden in der Selbsthilfe, meine Erfahrungen damit und meine persönliche Suchtgeschichte möchte ich im Blog berichten und mich darüber austauschen.

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