Die Zeit verfliegt und der Workshop, der Arbeitskreis, die Fortbildungsgruppe kommt langsam an den Punkt an dem die Zertifikate oder Scheine bald ausgeteilt werden und man weiß, dass man in dieser Konstellation an den nächsten Wochenenden nicht mehr zusammenkommen wird. Es ist üblich, dass am Ende eines solchen Arbeitskreises Feedback gegeben wird. Feedback zum Kurs, Feedback zu der Leitung, Feedback zum Essen etc. Die Liste an Dingen denen Feedback gegeben wird ist lang. Leider kommt es eher selten vor, zumindest habe ich das so erlebt, dass jeder Teilnehmer von jedem anderen Teilnehmer ein Feedback bekommt. Mag unter anderem auch daran liegen, dass sich eine solche Feedbackrunde je nach Teilnehmerzahlt ins unendliche ziehen könnte. Ebenfalls möchte man vielleicht auch kein Feedback vor der ganzen Gruppe geben oder empfangen.
Eine Methode, mit der ich schon gute Erfahrungen gemacht habe ist der „Starke Rücken“. Jeder Teilnehmer bekommt ein Blatt Papier auf den Rücken geklebt. Im Anschluss daran bekommen die Teilnehmer die Anweisung in einen Raumlauf zu gehen und ihren Fokus auf die positiven Eigenschaften (Fähigkeiten, Merkmale, Charakterzüge) ihrer Gruppenmitglieder zu richten. Diese positiven Eigenschaften und Merkmale werden auf das auf dem Rücken befestigte Blatt Papier geschrieben. Das können z.B. ganze Sätze sein wie: „Du hast einen tollen Humor“, „Deine Vorschläge haben mir weitergeholfen“ oder Stichworte wie „Kreativ“, „lustig“ sein.  Das Blatt darf erst angeschaut werden, wenn die Übung beendet ist.
Ein großer Vorteil dieser Methode besteht darin, dass das Feedbackgeben aufgelockert wird und die etwas schüchternen Teilnehmer eher trauen, Feedback zu geben oder zu empfangen. Durch die pseudo-anonymisierte Form der Methode kann vermieden werden, dass man als Gebender oder Empfangender plötzlich im Mittelpunkt der Gruppe steht. Ebenfalls ist es ein schönes Gefühl etwas „handfestes“ mit nachhause nehmen zu können. So bleibt der Workshop, der Arbeitskreis, die Fortbildung nicht einfach nur als ein Schein, Zertifikat oder Portfolio einem in Erinnerung, sondern bekommt eine persönliche wertschätzende Note.

Als Leiter der Methode ist es wichtig, den Kurs bzw. die Gruppe richtig einschätzen zu können. „Traue ich es der Gruppe zu, dass diese sich an die Anweisung hält, nur ein positives Feedback zu geben oder nicht?“ könnte eine Frage sein, die es im Vorfeld zu beantworten gilt. So kann z.B. vermieden werden, dass Teilnehmer mit einem leeren Blatt nachhause gehen. Ebenfalls sollte der Anleitende darauf achten, dass die Anweisung nicht zu „schwammig“ formuliert wird. Je nach Gruppe kann es passieren, dass die Teilnehmenden mit der Anweisung, etwas positives zu schreiben, überfordert sind. Abhilfe kann hier durch Leitfragen oder Leitphrasen wie z.B. „Ich mag an dir…“, „Was ich dir noch sagen wollte…“, „Was ich dir noch wünsche…“ usw. geschaffen werden. Es ist wichtig darauf zu achten, dass quasi-positives Feedback, das zwar lieb gemeint ist, wie beispielsweise „konstruktive Kritik“ vermieden wird. In geschriebener Form kann es sein, dass es als negatives Feedback interpretiert wird. Abhängig von der Gruppengröße sollte den Teilnehmern ausreichend Zeit gegeben werden, um das Feedback formulieren und schreiben zu können.
Nachdem das Schreiben abgeschlossen ist, können die Teilnehmer zurück in die große Runde zurückkehren und sich das Feedback auf den Blättern durchlesen. Daran anknüpfend kann man eine kurze Gesprächsrunde mithilfe von Leitfragen initiieren. Beispiele für Leitfragen können dabei wie folgt aussehen: „Über diesen Punkt freue ich mich besonders“ oder „Dieser Punkt hat mich besonders überrascht“. Ausgehend von diesen Leitsätzen kann man eine kleine Diskussionsrunde starten, oder diese in Form eines Blitzlichtes unkommentiert der Gruppe mitteilen.

Unter dem folgenden Link findet ihr eine kurze Beschreibung der Methode.

Link: M4 Starker Rücken

Jetzt seid ihr gefragt. Habt ihr diese Methode schonmal ausprobiert? Werdet ihr diese Methode ausprobieren der eher nicht? Welche positiven oder negativen Erfahrungen habt ihr mit dieser Methode gemacht? Wo seht ihr Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge? Fallen euch weitere Leitfragen, -phrasen ein, die man stellen könnte?

Vielen Dank dafür, dass Ihr euch die Zeit genommen habt. Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und freue mich schon auf Verbesserungsvorschläge und eure Erfahrungen mit der Methode 😊

Bossi

Autor*in: Bossi

Ich möchte meine eigene Gruppe etwas anders angehen und die üblichen Runden einer Selbsthilfegruppe mit ein paar innovativen Methoden etwas beleben. Über eben diesen Einsatz von Methoden in der Selbsthilfe, meine Erfahrungen damit und meine persönliche Suchtgeschichte möchte ich im Blog berichten und mich darüber austauschen.

in Zusammenarbeit mit:

Logo Schon mal an Selbsthilfegruppen gedacht?